Magdeburg zerlegt hamburg und darf auf meisterball gegen flensburg zielen
41:28 – ein Resultat, das im Getöse der GETEC Arena wie ein Schlag aufs Trommelfell kracht. SC Magdeburg fegt den HSV Hamburg aus der Halle, besorgt sich den Matchball für die deutsche Meisterschaft und schickt 7.300 Anhänger in einen Taumel, der sich erst am 21. Mai in Flensburg legen könnte.
Schon nach elf minuten war die partie gelaufen
Omar Ingi Magnusson trifft, trifft, trifft – elf Würfe, elf Treffer. Die erste Fünf-Tore-Führung steht nach 600 Sekunden, die Wurfquote der Hauptrunden-Gazelle: 100 %. Torsten Jansen wischt sich die Hand über das Gesicht, schreit: „Das ist schwer, die sind heiß.“ Er sollte recht behalten. Bis zur Pause baut Magdeburg auf 21:12 aus, verwandelt jede Lücke in einen Konter, jeden Konter in ein Tor. Hamburg wirkt wie ein Boxer, der die eigene Schlaghand vergessen hat.
Die Szene des Abends passiert in der 23. Minute. Magnus Saugstrup, Däne, Olympiasieger, Welt- und Europameister, schnappt sich die Taktiktafel, kritzelte wie ein Co-Trainer statt wie ein Kreisläufer. Bennet Wiegert guckt, nickt, dreht sich um – und sein Team legt nach. „Wir sprechen alle dieselbe Sprache“, lacht der Coach später. „Manchmal eben mit dänischem Akzent.“

Ordensregen für alfred gislason
Kurz vor dem Seitenwechsel betritt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze die Platte. Er hängt Bundestrainer Alfred Gislason den Verdienstorden des Landes um – ein Isländer, der einst selbst das SCM-Trikot trug und 2002 mit dem Klub die Champions League gewann. Die Halle brüllt „Alfred, Alfred“, und für einen Moment steht die Zeit still. Dann geht’s weiter, Tempo, Tempo, Tempo – 41:28, die höchste Heimniederlage der Hamburger seit drei Jahren.
Für Einar Olafsson wird es ein Nachmittag voller Gänsehaut. Sein Vater Olafur Stefansson holte 2002 mit Magdeburg den Henkelpott, heute patrouliert der Sohn in der Defensive der Rothosen. „Ich habe an dieses Spiel die ganze Saison gedacht“, sagt der 24-Jährige. „Ich war lange nicht hier und bin heute ein bisschen nervöser als sonst.“ Die Nerven seiner Vorderleute versagten komplett.

Jetzt liegt es an flensburg
Die Tabelle lügt nicht: Magdeburg führt mit 55:3 Punkten, Flensburg folgt mit 52:6. Am 21. Mai gastieren die Nordlichen an der Elbe – ein Unentschieden reicht, um die drote Meisterschaft nach 2022 und 2024 perfekt zu machen. Die Bilanz der letzten beiden Jahre: 59 Heimspiele, 56 Siege. Die Arena ist längst ausverkauft, der Kapitän kündigt an: „Wir wollen vor eigenem Publikum den Sack zumachen.“
HSV-Coach Jansen atmet durch. „Wir haben gesehen, was Meisterschaftsniveau bedeutet“, sagt er. „Jetzt heißt es Kopf hoch, Saison zu Ende bringen.“ Für Hamburg geht es ums Sechstelfinale, für Magdeburg ums große Finale – und um die Frage, ob Magnus Saugstrup wieder an die Tafel greift. Die Stadt schlängelt sich schon jetzt in Schwarz und Blau. In zwei Wochen könnte der Domplatz zur Meile werden. Dann zählt nur noch ein Datum: 21. Mai, 16.30 Uhr. Der Countdown läuft.
