Magdeburg jagt das vierte final4-ticket: szeged wartet mit offener rechnung

Der SC Magdeburg fliegt nach Ungarn, um Geschichte zu schreiben. Vier Final4-Teilnahmen nacheinander – das wäre eine Marke, die selbst Europas Handball-Giganten wie Barcelona oder Paris noch fehlt. Doch vor dem Hinspiel bei Pick Szeged (Mittwoch, 18.45 Uhr) brodelt es in der Kabine: Die Pokal-Blamage sitzt tief, die Beine sind schwer, und Bennet Wiegert muss eine Mannschaft reparieren, die eigentlich längst im Takt laufen sollte.

Stuttgart war nur ein notverband

30:26 beim TVB – das Ergebnis klang souverän, war aber ein Befreiungsschlag mit Handbremse. „Wir haben die Pokal-Enttäuschung nicht weggeredet, sondern weggespielt“, sagt Wiegert. Dennoch: Die Lücke zwischen Anspruch und Realität klafft. Zu viele Passpannen, zu viele verschossene Würfe aus sieben Metern. Und jetzt Szeged, ein Gegner, der in der Gruppenphase zweimal blutige Nase gegen Magdeburg bekam – 30:34 und 32:40 –, aber im eigenen Wall der 8.000-köpfigen Pick-Arena zur Bestie mutiert.

Die Zahlen? Ein Witz. Zweimal gewonnen, klar. Aber K.o.-Spiele kennen kein Gedächtnis. „Die 74 Tore aus der Vorrunde zählen nur noch in der Statistik“, warnt Wiegert. „In der Retina der Szeged-Fans steht nur eins: Rache.“

Regeneration statt training – ein hochrisiko-plan

Regeneration statt training – ein hochrisiko-plan

Die Saison ist ein Marathon auf glühenden Kohlen. 55 Pflichtspiele bisher, Muskeln, die sich wie alte Gummibänder anfühlen. Wiegert hat seit Wochen keine komplette Einheit mehr bei voller Besetzung absolvieren können. Seine Lösung: Mikro-Zyklen, Eisbad-Protocols, Schlaftracker. „Wir trainieren kaum noch, wir schlafen uns fit“, sagt er halb im Spaß, halb als Notstandsgesetz. Die Frage ist: Reicht das gegen ein Szeged-Team, das seit fünf Spielen ungeschlagen ist und mit Mario Šoštarič einen Linksaußen hat, der in Topform 14 Tore pro Partie wirft?

Die Antwort liefert vielleicht die Bank. Nationaltorhüter David Späth steht nach leichtem Knöchelprobleem wieder zur Verfügung, dafür fallen Philipp Weber (Oberschenkel) und Emil Wernsdorf (Adduktoren) aus. Die Rotationsmaschine läuft auf Notprogramm. Wiegert wird seine Sieben früher feststehen müssen als ihm lieb ist.

Köln ruft – aber nur, wenn magdeburg lauter schreit

Köln ruft – aber nur, wenn magdeburg lauter schreit

Am 13. und 14. Juni entscheidet sich in der Lanxess-Arena alles. Drei Siege bis zum Pokal, vier bis zum Triple. Der SCM ist noch dabei, aber die Luft wird dünner. Wiegert weiß: „Wir brauchen zwei Spiele auf höchstem Niveau, sonst fliegen wir raus wie jeder andere auch.“ Die Fans haben bereits 1.200 Tickets für das mögliche Final4 gebucht – ein Akt blinden Vertrauens.

Szeged wird die Halle kochen lassen. Magdeburg muss sie kaltstellen. Punkt. Wer schwächelt, fliegt. Und dann bleibt nur die bittere Erkenntnis: Selbst ein 40:32 im Dezember zählt im April nichts.