Magdeburg bricht in den letzten neun minuten ein: 7:0-barça-lauf versenkt den scm

51 Minuten lang war alles offen, 29:29, Gruppensieg zum Greifen nah. Dann rissen Magdeburg die Ketten, Barcelona zog sie durch den Dreck: 0:7, 29:36, Abpfiff, Katerstimmung in der Getec-Arena.

Wiegerts katakomben-offensive

Bennet Wiegert wartete keine Sekunde mit dem Sprengstoff. „Der Lauf tut weh, und den kann ich so nicht akzeptieren“, donnerte der SCM-Trainer noch vor laufender Kamera. Er sprach von „um den Lohn bringen“, ließ kein Fell mehr an seinen Spielern. Respekt vor Barça? Nur kurz. „Das Ergebnis ist zu hoch, und das liegt mehr an uns als an Barcelona.“

Die Zahlen sind hart: 23 Punkte vor dem letzten Spieltag, nur eine Niederlage, dennoch nur Platz zwei. Denn in der Phase, in der sonst die Magdeburger Mentalität steht, liefen sie einem einzigen Mann hinterher: Dika Mem. Der Rechtsaußen war 34 Minuten auf dem Feld, holte zwei kritische Bälle, verwandelte, stach – und griff seiner alten Heimatstadt die Seele aus dem Leib.

Der 7:0-lauf in echtzeit

Der 7:0-lauf in echtzeit

Minute 51: Kristjansson trifft zum 29:29, Arena brodelt. 52.: Mem stibitzt den Ball, Gómez netzt. 54.: Cindrić nutzt den ersten SCM-Technikfehler, 55.: Mem trifft aus dem Rückraum, 56.: Palmarsson verwandelt den ersten Tempogegenstoß. 57.: wieder Mem, 58.: wieder Gómez, 59.: wieder Cindrić – 36:29. Fünf Minuten, fünf Tore, kein Magdeburger Gegenmittel.

Die Magdeburger Offensive fand in dieser Phase keine Lücke mehr, Claar lief zweimal in die Doppeldeckung, Kristjansson rutschte der Ball weg, Gísli Kristjánsson warf aus sieben Metern knapp drüber. Hinten brach die Sicherheit weg: zweite Welle nicht unterbunden, Kreisläufer kaum gestört, Rechtsaußen völlig frei. „Wenn du Barça neun Minuten so spielst, wie sie es wollen, bist erledigt“, resümierte Wiegert.

Tabellenfrust trotz viertelfinale

Beide Teams stehen bereits im Viertelfinale, doch Rang eins bedeutet wahrscheinlich ein losbareres Duell. Barcelona hat nun die eigene Auslosung in der Hand, Magdeburg muss hoffen – und das nagt. „Wir waren die stabilste Mannschaft dieser Phase, und jetzt stehen wir zweite. Das fühlt sich scheiße an“, sagte Wiegert. Der Blick auf Gruppe A tut ein Übriges: Die Füchse Berlin haben mit 22 Punkten bereits den Gruppensieg sicher, während Magdeburg mit 23 Punkten nur Vizelister ist.

Die Saison ist längst nicht gelaufen. Bundesliga-Spitze, Pokal, Viertelfinale – alles drin. Aber der Geschmack bleibt bitter. „Wer mein Mindset kennt, weiß, dass das Verlieren nicht meins ist. Es fühlt sich beschissen an“, wiederholte Wiegert, bevor er verschwand. Am Sonntag kommt mit Hannover-Burgdorf der nächste Prügelknabe nach Sachsen-Anhalt. Die Antwort auf 0:7 muss innerhalb von 48 Stunden erfolgen, sonst wird der Kater zur Vorbereitung aufs Viertelfinale mitgeschleppt.