Lüneburg jagt das double – berlin spürt den atem im nacken

Neun Jahre lang galt Berlin als unantastbar. Jetzt klopft SVG Lüneburg an die Tür zur Macht. Nach dem ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte startet die Mannschaft von Trainer Stefan Hübner als Tabellenführer in die Play-offs – und hat den Serienmeister fest im Visier.

Die torte ist noch nicht fertig

Hübner backt weiter. In seiner Konditorei im Norden vergleicht er die Saison mit einer Torte, die erst jetzt die Kirsche bekommt. „Es ist wie beim Backen – das Finish macht den Unterschied“, sagt der 50-Jährige. Seit 2014 baut er diesen Kuchen, Schicht für Schicht. Am Samstag geht es los: Viertelfinale gegen Herrsching, Best-of-three. „Kein einfacher Gegner“, warnt er. Die WWK Volleys haben in dieser Saison schon bewiesen, dass sie Top-Teams weh tun können.

Die Zahlen sprechen für Lüneburg: 21 Siege in 26 Spielen, die beste Angriffsquote der Liga, nur 19 Sätze verloren. Berlin dagegen kassierte bereits fünf Niederlagen mehr als im Vorjahr. Die Maschine stottert. Und das merkt auch die Konkurrenz. „Die Jungs sind heiß“, sagt Hübner. „Aber sie wissen: Jetzt zählt jeder Punkt doppelt.“

Zwischenstandspartys statt selbstzufriedenheit

Zwischenstandspartys statt selbstzufriedenheit

In Lüneburg feiert man anders. Keine wilden Siegesorgien, sondern kleine Rituale. Nach bestandener Prüfung von Youngster Axel Enlund wird angestoßen. Nach wichtigen Siegen gibt es „Zwischenstandspartys“. „Wir halten inne“, sagt Hübner. „Damit niemand vergisst, wie weit wir gekommen sind.“ Diese Mentalität unterscheidet den Klub von den Großstädtern. Kein Star-Ensemble, dafür ein Kollektiv, das sich gegenseitig hochpusht.

Die Erwartungen explodieren. Fans tragen „Hübner-Torten“ durch die Stadien, Social Media überschlägt sich. Der Trainer bleibt kühl. „Platz eins ist kein Titel“, betont er. „Aber es zeigt: Wir sind bereit, Geschichte zu schreiben.“

Berlin schaut nervös nach Norden. Neun Meisterschaften in Folge – nie zuvor war die Serie so bedroht. Das letzte Aufeinandertreffen im Februar endete 3:1 für Lüneburg. Seitdem spricht niemand mehr vom „unmöglichen Jahr“. Es ist das mögliche Jahr. Und es beginnt jetzt.