Lucas coenen: mit 18 jahren zum mxgp-jüngsten – und jetzt jagt er die krone
Er ist 18 Jahre, fünf Monate und zwölf Tage alt, trägt die 93 seines Idols Marc Márquez auf dem Schulterpanzer – und hat in der Schweiz Geschichte geschrieben. Lucas Coenen, Rookie auf der De-Carli-KTM, schraubte sich beim MXGP von Frauenfeld als jüngster GP-Sieger aller Zeiten an die Spitze. Zweiter Gesamtweltmeister hinter Jeffrey Herlings? Check. Teamkollege seines Zwillingsbruders Sacha? Check. Traum vom größten Allerzeiten? Immer größer.
„Niemand glaubte an diese runden“
Coenen spricht leise, fast schüchtern, während er im Airoh-Hauptquartier in Almenno San Bartolomeo den Helm auf den Tisch legt – als wäre er ein Schulkind, das seinen Ranzen in die Ecke stellt. Doch die Zahlen donnern: drei GP-Siege, sieben Podeste, 319 Punkte. „Die Saison war meine Antwort an alle, die sagten: Der Junge braucht Jahre, um in der Top-Klasse mitzukommen.“ Der entscheidende Kniff: Er akzeptierte, dass man nicht immer gewinnen kann, um am Ende eben doch zu gewinnen. „Ich habe mir Zeit genommen, statt zu forcen. Das hat mein Gehirn entlastet und mein Gas geöffnet.“
Die Wintervorbereitung lief wie eh und je – Testfahrten, Laktattests, Setup-Geheimnisse –, aber die innere Schraube sitzt anders. „Wenn du zweimal in Folge Vizeweltmeister wirst, fragt dich jeder: Reicht dir das? Ich sage: Es ist der perfekte Lehrplan für die Meisterschaft.“ Dabei hätte es anders kommen können. Ein Kreuzbandriss-Vorsprechen vor dem Auftakt, zwei mechanische Blackouts in Loket und Uddevalla. „Ein zweiter Platz trotzdem – das ist kein Trost, das ist ein Statement.“
Zwillinge auf krieg und kurs
Mit Sacha in derselben Box zu stehen, sei „wie ein dauerhafter Datenklau mit Erlaubnis“, lacht er. „Wir pushen uns gegenseitig auf die Sekunde. Aber wenn man von uns beiden sagt: Heute fahre ich hinter dir, akzeptieren wir das – bis zur nächsten Kurve.“ Die Eltern schicken WhatsApp-Videos mit Onboard-Aufnahmen, die Mechaniker vergleichen GPS-Transmitter. „Am Ende zählt nur, wer die Zielfahne zuerst sieht.“
Sein Idol Márquez? Trainiert gemeinsam mit ihm auf einer Grasbahn in Lier. „Er fährt Cross, als wäre es MotoGP. Ich dachte, ich bin der Jugendliche – aber er war wie ein kleiner Junge auf KTM, mit dem Unterschied: Er trägt acht Titel im Rucksack.“ Die Nummer 93 durfte Coenen in der MXGP nicht behalten. Also wählte er 96 – umgedreht immer noch 93. Symbolik pur.

Panda statt podestprotokoll
Abseits der Pisten schraubt er an einer 1986er Fiat Panda 4x4. „Die Karosserie ist verbogen, der Heckspoiler fehlt, aber sie schafft jeden Hang in Fagnes. Für mich ist das die Rennstreckenversion des Alltags: robust, unverwüstlich, voller Charakter.“ Genau wie er selbst? „Draußen bin ich der Typ für Späße. Mit Helm wird daraus blanker Kampfgeist. Die Gegner sollen ruhig denken, der Belgo sei locker – bis sie meine Hinterrad-Drift in der Schikane sehen.“
Was kommt als Nächstes? Er holt Luft, als würde er vor dem Startgitter stehen. „Ich will nicht nur die Krone, ich will die, die danach kommt. Rekorde sind dazu da, um zu fallen – und ich habe gerade erst angezählt.“
