Lothar matthäus wird 65: die doku „mensch, loddar!“ packt aus, was der rekord-nationalspieler nie erzählte

65 Jahre, 150 Länderspiele, ein Weltmeister-Pokal – und dennoch ist die Bilanz von Lothar Matthäus längst nicht komplett. Die ARD-Doku „Mensch, Loddar!“ zeigt ab sofort in der Mediathek, wie der Junge vom 1. FC Herzogenaurach zum ersten globalen Superstar des deutschen Fußballs reiste – und dabei genau kalkulierte, wann er die Klappe aufreißt und wann er sie kneift.

Jupp heynckes erinnert sich: „ich war der einzige scout an dem sonntag“

Frühjahr 1979, Kreisliga-Kick auf dem Sportplatz an der Aurach. Heynckes saht inzwischen Tausende Spiele, aber was der 18-jährte Matthäus an dem Tag ablieferte, nagelt ihn auf die Tribüne. „Zwei Tore, unzählige Zweikämpfe gewonnen, eine Ballsicherheit, als wäre der Rasen ihm allein gewidmet“, schwärmt der damalige Gladbach-Coach in der 45-Minuten-Film. Er schlug sofort zu – und sorgte dafür, dass Matthäus für 180 000 Mark die Rhein-Route nahm, statt nach München oder Gelsenkirchen abzubiegen.

Die Bayern kamen später, doch der Franke blieb sich treu. Markus Söder schmunzelt vor der Kamera: „Er hat nie den Dialett versteckt. Für uns Franken war das ein Signal: Der Größte von allen spricht wie wir – da dürfen wir stolz sein.“

Skandale, strategien, selbstinszenierung – matthäus erfand den boulevard-fußball

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Wolfgang Reiner, einst Bayern-Reporter der Bild, packt aus: „Loddar hat kapiert, dass Nachrichten nicht nur auf dem Platz gemacht werden. Er lieferte Headlines frei Haus.“ Das Buch „Meine 150 Länderspiele“ löste 1993 einen Eklat aus, weil Matthäus darin interne Machtkämpke offenlegte. Die Folge: Ausschluss aus der Nationalmannschaft, die er einst führte. Doch statt einzuknicken, drehte er seine Isolation in eine Medien-Tour – und wurde noch bekannter.

Filmautor Bernd Schmelzer durchleuchtet das Phänomen bis in die Gegenwart. 1999 wurde Matthäus zum ersten Deutschen Weltfußballer des Jahres gekürt, 2000 folgte der nächste Bruch mit dem DFB. Die Doku zeigt private Archivaufnahmen, in denen Matthäus mit Klinsmann diskutiert, mit Beckenbauer lacht – und mit seiner Mutter telefoniert, die bis zuletzt die beste Torhüterin seiner Kindheit blieb.

Die Zahlen sind gewaltig: fünf Mal Weltmeister-Teilnahme, Rekord-Kapitän, 40 Jahre lang im Rampenlicht. Doch die wahre Pointe kommt am Ende. Matthäus selbst sagt es so: „Ich habe nie gespielt, um beliebt zu werden. Ich wollte gewinnen – und wenn das bedeutete, dass ich der Bad Boy bin, dann war das eben so.“ Die Doku beweist: Ohne diesen Bad-Boy-Mythos wäre der Mythos Matthäus nur halb so faszinierend.

„Mensch, Loddar!“ liegt ab jetzt in der ARD-Mediathek, Laufzeit sieben Minuten. Wer glaubt, er kenne die Geschichte bereits, wird eines Besseren belehrt: Es gibt noch Enthüllungen, die selbst Heynckes überrascht haben – und die erklären, warum der 65-Jährige auch heute noch jedes Mikrofon magnetisch anzieht.