Leistner will weitermachen: hertha verhandelt mit 35-jährigem über neue liaison

Toni Leistner spürt noch keinen Rost. Der 35-jährige Abwehrchef von Hertha BSC trainiert, als gäbe es kein Morgen, und die Berliner spüren: Ohne ihn droht die Wildbahn. Deshalb sitzen beide Seiten bereits am Tisch – und die Gespräche laufen.

Warum hertha leistner nicht ziehen lässt

Die Zahlen sind schonungslos: 22 Pflichtspiele, ein Tor, eine einzige verpasste Einheit – und das aus privaten Gründen. „Toni ist permanent da“, schwärmte Coach Stefan Leitl. In einer Abwehr, die sich ohne John Anthony Brooks orientierungslos bewegt und in der Linus Gechter längst den Bundesligakoffer gepackt hat, wirkt Leistner wie Beton. Zweikämpfe gewinnt er zu 67 Prozent, in der Luft ist er mit 1,94 m ein natürliches Gewitter.

Sportdirektor Benjamin Weber braucht deshalb keinen Blumentopf: „Er geht voran, ist als Typ und Vorbild enorm wichtig.“ Das war vor elf Monaten so, als der Vorstand den Kontrakt um zwölf Monate verlängerte – und es ist heute nicht anders. Die Option auf ein weiteres Jahr existiert zwar, aber nur bei Aufstieg. Nach dem 0:1 gegen Kaiserslautern wirkt diese Klausel wie ein Aprilscherz.

Was leistner wirklich will

Was leistner wirklich will

Der Dresdner sagt es offen: „Hertha wird mein letzter Klub.“ Kein Abschied, kein Abstecher in die MLS, keine Marketing-Rente in der Wüste. Stattdessen ein letzter Biss, vielleicht zwei. Nach dem 1:0 in Dresden sprach er von einem Treffen „nach Ostern“. Stattgefunden hat es längst. Beide Seiten hinterlegten Interesse, ein konkretes Angebot soll in den nächsten Wochen liegen.

Leistners Körper lügt nicht. Kein Muskelbündelriss, kein Ermüdungsbruch, keine Spritzen-Marathon-Pause. Er trainiert mit 35 so hart wie mit 25, nur schlauer. „Ich höre auf, wenn ich mich morgens nicht mehr bewegen kann“, sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Bisher bewegt er sich – und wie.

Herthas defensiv-poker

Herthas defensiv-poker

Weber muss handeln. Brooks’ Vertrag verfault in der Reha, Gechter will erste Liga, Marton Dardai schielt nach internationalen Grünschnitten. Bleibt Leistner als einzige Konstante. Verlängert der Routinier, kann der Klub mit klarem Kopf auf dem Transfermarkt pokern, statt in Panik zu kaufen. Ein Jahr Verlängerung würde die Planungssicherheit erhöhen und jungen Talenten ein Vorbild vor der Nase halten.

Die Marschroute steht: Leistner will, Hertha braucht. Die Unterschrift dürfte nur noch Formsache sein. Dann rollt der alte Haudegen durchs Trainingszentrum – und Berlin hat seinen letzten Ritter für eine weitere Saison gebunden.