Leipzig wirft den derby-sieg weg – semper tröstet sich mit 2030-deal

29:26 hieß es in der 57. Minute, 6000 Kehlen im Arena Leipzig schrien sich schon heiser – da glaubte selbst Trainer Frank Carstens an den ersten Thüringer-Kopf seit zehn Jahren. Drei Minuten später stand es 29:29, und die Heulboje drehte sich ins Nichtabstiegsrentieren.

Franz semper schießt acht mal – und bleibt trotzdem

Der Nationalspieler war nicht nur mit acht Treffern bester Leipziger, er unterschrieb auch noch kurz vor dem Anwurf eine Zusatzvereinbarung bis 2030 – gültig selbst im Falle eines Zweitliga-Abstiegs. „Ich bin hier verwurzelt, Punkt“, sagte Semper, während die Eisenacher sich wie Befreite auf dem Parkett wälzten. Für den ThSV war es der erste Zähler im 13. Auswärtsspiel dieser Saison, und ausgerechnet im Derby.

Die Statistik nagelt Leipzigs Gruselfinale fest: In dieser Spielzeit verschenkte die Mannschaft bereits 18 Zähler nach Führungen in den letzten zehn Minuten. Gegen Eisenach war es die bitterste Pleite, weil sie endlich mal einen direkten Konkurrenten hätten abschütteln können. Stattdessen rutschte der SC DHfK auf Rang 17, punktgleich mit dem TBV Lemgo – nur das schlechtere Torverhältnis hält Leipzig über dem Strich.

Carstens warnt vor dem freien fall

Carstens warnt vor dem freien fall

„Wenn wir nicht lernen, die Uhr runterzuspielen, landen wir in der 2. Bundesliga“, donnerte Carstens in die mixed zone. Sein Kapitän Philipp Weber pflichtete bei: „Wir spielen Schere im Nebel, statt den Sack zuzumachen.“ Die nächste Chance auf einen Befreiungsschlag gibt’s bereits am Mittwoch in Flensburg – ein Ort, an dem Leipzig zuletzt 2018 gewann.

ThSV-Coach André Haber dagegen strahlte trotz des ersten Saisonpunkts: „Wir haben gezeigt, dass wir noch leben.“ Die Eisenacher haben nun drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer, dafür zwei Spiele weniger absolviert als Konkurrent HSG Wetzlar. Das Restprogramm der Thüringer verspricht Dramatik: Gegen Lemgo, Gummersbach und Balingen entscheidet sich, ob der Punkt in Leipzig der erste von vielen oder ein letztes Aufbäumen war.

Für Semper bleibt die Erkenntnis des Abends: Tore retten nicht vor Abstieg, nur ein funktionierendes Nervenkostüm. Und der Vertrag bis 2030? „Ein Statement an die Fans, dass ich nicht weglaufe, wenn’s eng wird.“ Ob diese Loyalität am Ende reicht, wird sich in den noch ausstehenden 180 Minuten zeigen, die über Leipzigs Klassenverbleib entscheiden.