Leicester am tiefpunkt: vom märchen zum albtraum in der 3. liga?
Ein Schock für die englische Fußballszene: Leicester City, einst Sensation und Vorbild, steht vor dem Abgrund. Zehn Jahre nach dem unfassbaren Meistertitel droht der Absturz in die Drittklassigkeit – ein historischer Niedergang, der sich über Jahre hinweg manifestierte.
Der tragische verlust und die falschen entscheidungen
Es begann mit einem Schock: Der Tod von Klub-Boss Vichai Srivaddhanaprabha bei einem Hubschrauberabsturz im Jahr 2018. Er war die prägende Figur der Erfolgsjahre, sein Weitblick im Transfermarkt – das sogenannte „Diamantenauge“ von Steve Walsh – hatte Leicester zu einem unglaublichen Deal-Finder gemacht. Spieler wie N’Golo Kanté, Riyad Mahrez und Harry Maguire wurden für über 190 Millionen Euro an andere Vereine verkauft, das eingenommene Geld floss in den Neuaufbau. Aber der Verlust des charismatischen Eigentümers hinterließ eine tiefe Wunde, die sich offenbar bis heute nicht geschlossen hat.
Die darauffolgenden Jahre waren von Fehlentscheidungen geprägt. Nach dem FA-Cup-Sieg 2021 und einem respektablen fünften Platz in der Liga wagte Leicester einen riskanten Schritt: Hohe Investitionen wurden getätigt, ohne zuvor Leistungsträger abzugeben. Transfers wie Patson Daka (30 Millionen Euro) und Boubakary Soumaré (20 Millionen Euro) enttäuschten auf ganzer Linie und führten zu einem Transferminus von über 60 Millionen Euro. Parallel dazu belasteten die rund 117 Millionen Euro für ein hochmodernes Trainingszentrum die Finanzen zusätzlich und entfernten den Verein von seiner bodenständigen Identität.
Die Kaderpolitik verschärfte das Problem: Statt auf junge, hungrige Spieler zu setzen, wurden etablierten Profis überhöhte Gehälter gezahlt – zeitweise die höchsten der Championship. Die Rechnung ging auf keiner Ebene auf. Die Verluste des vergangenen Geschäftsjahres betrugen schätzungsweise 82 Millionen Euro, in den letzten drei Jahren summieren sich die Minuszahlen auf rund 180 Millionen Euro. Der Sechs-Punkte-Abzug wegen Verstößen gegen Finanzregeln im Februar war der nächste Schlag.

Die krise des eigentümers und die düstere zukunft
Auch die wirtschaftliche Basis des Eigentümers, Aiyawatt „Top“ Srivaddhanaprabha, bröckelt. Das Duty-Free-Imperium „King Power“ litt unter den Folgen der Pandemie, die Zeiten großer Investitionen sind vorbei. Bankanleihen wurden zur Finanzierung benötigt. Die Fans fordern nun seinen Rücktritt, doch Ex-Profi Robert Huth sieht die Situation differenzierter: „Es ist sehr einfach, ihn zu kritisieren. Er ist sehr jung in Verantwortung gekommen. Er liebt Leicester und will nur das Beste, aber er braucht Hilfe.“
Der Abstieg aus der Premier League im vergangenen Jahr war nur der Anfang. Obwohl Leicester kurzzeitig die Rückkehr ins Oberhaus schaffte, blieben die strukturellen Probleme bestehen und führten zum direkten Wiederabstieg in die Championship. Jetzt droht der nächste Schock: Der Fall in die 3. Liga, verbunden mit strengen Finanzregeln und dem Verlust wichtiger Einnahmen. Leicester City steht vor einem tiefgreifenden Umbruch, der das Ende des Fußballmärchens besiegelt hat. Aus dem einst so strahlenden Verein ist ein Albtraum geworden, dessen Ausgang ungewiss ist. Die Frage ist nicht, ob Leicester jemals wieder aufsteigen wird, sondern ob der Verein überhaupt überlebt.
