Lehmann kritisiert nagelsmanns kommunikation – kompany als vorbild

Ein ungewöhnlicher Seitenhieb von Fußball-Legende Jens Lehmann: Der ehemalige Nationaltorwart übt scharfe Kritik an der öffentlichen Kommunikation von Bundestrainer Julian Nagelsmann und sieht im Bayern-Coach Vincent Kompany ein deutlich besseres Vorbild. Lehmanns Äußerungen werfen ein Schlaglicht auf die internen Dynamiken im deutschen Fußball und lassen Fragen über die Führungsqualitäten des Bundestrainers aufkommen.

Nagelsmanns wortwahl: zu viel des guten?

Im Gespräch mit Sport Bild äußerte Lehmann seine Bedenken hinsichtlich der Häufigkeit und Art der öffentlichen Statements Nagelsmanns. „Ich finde es auch schwierig, wenn ein Trainer zu viel erzählt“, so Lehmann, der die Tendenz des Bundestrainers, Spieler öffentlich zu bewerten, kritisch sieht. Das Beispiel Felix Nmecha, dem Nagelsmann nach dem deutlichen Pokal-Debakel gegen Atalanta das Format Weltklasse attestierte, verdeutlicht Lehmanns Problem: „Wie möchte er den Spieler einfangen, wenn er ihm während des Turniers sagen muss: Du spielst nicht?“

Der Kontrast zu Vincent Kompany, der aktuell die Geschicke des FC Bayern München lenkt, könnte kaum größer sein. Lehmann lobt Kompanys Erfahrung und betont: „Es ist nicht schlecht für einen Trainer, wenn dieser zuvor auf einem hohen Niveau gespielt hat. Da ist man unlimitiert nach oben.“ Die Tatsache, dass Kompany selbst ein international anerkannter Topspieler war, verleihe ihm eine Autorität, die Nagelsmann, der noch relativ jung ist, möglicherweise fehlt.

Konkurrenzkampf im tor: lehmanns wm-erinnerung

Konkurrenzkampf im tor: lehmanns wm-erinnerung

Auch bei der Torwartfrage äußerte Lehmann seine Meinung. Die Entscheidung Nagelsmanns, Manuel Neuer wieder ins Nationalteam zurückzuholen, begrüßt er grundsätzlich, bemängelt jedoch die fehlende Konkurrenzsituation. „Man muss als Trainer wissen: Wie baue ich Konkurrenz auf?“, fragte Lehmann und erinnerte an die erfolgreiche Strategie von Jürgen Klinsmann vor der WM 2006, als ein offener Konkurrenzkampf um den Platz im Tor ausgerufen wurde. „Vielleicht ist Julian Nagelsmann noch zu jung, dass er die WM 2006 nicht mitbekommen hat“, so Lehmann mit einem Augenzwinkern.

Die sportliche Entscheidung für Neuer sei zwar richtig gewesen, doch Lehmann weist darauf hin, dass auch mit ihm die letzten vier Turniere nicht erfolgreich verliefen. Die Frage, ob Nagelsmann die richtigen Schlüsse aus den vergangenen Fehlern zieht und eine nachhaltige Strategie für die Zukunft entwickeln kann, bleibt offen.