Leana grozer fliegt nach busto: deutschlands volleyball-hoffnung wagt den sprung in seria a1

Ein Koffer voller Träume, ein Ticket nach Italien – Leana Grozer verlässt den SSC Palmberg Schwerin und jagt ab sofort in der Serie A1 die nächste Stufe ihrer Karriere. Die 19-jährige Außenangreiferin unterschrieb bei Volley Busto Arsizio, dem Klub, in dem schon ihre Stiefmutter Helena drei Jahre auf höchstem Niveau brillierte.

Der abschied fiel schwer, die entscheidung leicht

Nach dem bitteren Halbfinal-Aus gegen Suhl brodelte es in Schwerin. Der Vertrag lief ohnehin aus, die Gerüchte wurden lauter. Jetzt ist es offiziell: Grozer wechselt in die Liga, die sie selbst „wahrscheinlich die beste der Welt“ nennt. „Ich hätte bleiben können, aber ich spüre, dass der Moment jetzt ist“, sagt sie. Drei Sätze, knackig, ohne Sentimentalität – typisch Grozer.

Die Zahlen sprechen für sie: 1,86 m Sprunghöhe, 305 cm Angriffshöhe, 16 Jahre alt bei ihrem Länderspieldebüt. Was sie noch fehlt, ist Alltag auf internationalem Parkett. Genau den bekommt sie in der Lombardei. Busto Arsizio zahlte keine Ablöse, setzt aber auf Rapid-Entwicklung. Trainer Luca Secchi bezeichnete Grozer als „athletischen Turbo, der uns in der Reception neu dimensioniert“.

Der Vater? Schaut von außen mit. Georg Grozer kennt die italischen Arenen, kennt den Druck. „Wir haben gesprochen, klar. Aber sie wollte diesen Schritt allein gehen“, sagt er. Ein Satz, der mehr erklärt als jede Statistik.

Was jetzt auf sie zukommt

Was jetzt auf sie zukommt

Serie A1 startet Ende Oktober, das Training läuft schon. Mit Monza, Conegliano und Scandicci wartet ein Kalender, der keine Verschnaufpausen erlaubt. Grozer wird umworben – von Werbepartnern, von Zeitungen, von Fans, die ihre Vorliebe für Calabrese und Espresso bereits auf Instagram kommentieren. Die virtuelle Gemeinde wächst, der Rucksack wird schwerer.

Doch sie hat schon bewiesen, dass sie mit Erwartungen umgehen kann. Als Kind schaute sie zu, wie Papa Georg in der Max-Schmeling-Halle aufsprang. Jetzt steht sie selbst in Hallen, in denen 5.000 Zuschauer dicht an dicht sitzen. Der Vergleich liegt nahe – und nervt sie. „Ich bin Leana, nicht Georg 2.0“, sagt sie. Ein Satz, der klar macht: Sie will Geschichte schreiben, nicht kopieren.

Die deutsche Nationalmannschaft blickt gebannt. Bundestrainer Vital Heynen plant mit ihr für die WM-Qualifikation 2025. Eine Leistungs-Explosion in Italien würde seine Kader-Balance verändern. „Wenn sie regelmäßig auftritt, bekommen wir eine neue Option im Passspiel“, sagt Heynen. Diplomatisch, aber mit leuchtenden Augen.

Ein Detail verrät viel: Grozer lernt bereits italienisch, zwei Stunden täglich mit Online-Coach. Sprache als Schlüssel zur Integration – und zur Freiheit. Wer die Befehle auf dem Feld versteht, muss nicht mehr denken, nur noch handeln. Genau das will sie: automatisch, entschlossen, erfolgreich.

Der Transfermarkt in Europa bewegt sich. Deutsche Spielerinnen galten lange als solide, aber nicht glamourös. Grozer könnte diese Wahrnehmung sprengen. Ihr Vertrag läuft bis 2026, mit Option auf ein weiteres Jahr. Die Klause steht, die Bühne auch. Jetzt muss sie liefern – bei 20 Grad Wintertemperatur, gegen Gegnerinnen, die schon Champions-League-Titel gewannen.

Am Rande: SSC Schwerin reagierte mit einem stummen Posting. Kein Video, keine große Erklärung. Ein klares Signal – der Fokus liegt auf der Zukunft ohne Grozer. Sportdirektor Jan Lindenmüller muss nun auf dem Transfermarkt zuschlagen. Die Lücke ist riesig, die Erwartungen höher.

Ein letzter Blick auf die Statistik: 48 Spiele, 386 Punkte, 42 Asses in der abgelaufenen Saison. Zahlen, die für sich sprechen, aber keine Geschichte erzählen. Die schreibt Grozer jetzt in Italien – ohne Netz, ohne Sicherheitsseil. Wenn sie durchstartet, könnte sie nicht nur Busto Arsizio nach vorne bringen, sondern auch das deutsche Volleyball-Spiel. Die Uhr tickt. Der Aufschlag kommt. Und sie wird ihn gleich selbst nehmen.