Last-minute-drama in rijeka: hajduk split verspielt pokal-traum in 20 sekunden

90.+5: Roko Brajković schlägt sich auf die Brust, Split jubelt – der Finaleinzug scheint sicher. 90.+20: Gabriel Rukavina trifft, und 20.000 Rijeka-Fans glauben an Zeitlupen-Fußball. Dazwischen liegen nicht einmal 600 Sekunden, aber zwei Treffer, ein verschossener Elfmeter, ein Abpraller-Kopfball und das Ende eines Pokal-Traums.

HNK Rijeka – Hajduk Split 3:2. Das Ergebnis liest sich wie ein Tippfehler, doch es steht.

Tiago dantas weckt bayern-erinnerungen

Der portugiesische Mittelfeldspieler, der 2020/21 unter Hansi Flick gerade mal 78 Minuten in der Bundesliga sammelte, wurde zum Regisseur der Wende. Sein Foulelfmeter in der 58. Minute – natürlich erst nach VAR-Einsicht – schoss Rijeka zurück ins Spiel und Hajduk in die Defensive. Von da an war klar: Der Pokal hat keine Gnade mit dem, der nur verteidigen will.

Die Partie war ohnehin schon ein VAR-Festival. Noch vor der Pause nahm der Video-Schiedsrichter Ante Rebic das vermeintliche 0:2 wegen minimaler Abseitsstellung zurück (43.). Die Entscheidung löste auf der Gäste-Tribüne einen Pyro-Sturm aus, der die Arena fünf Minuten in dichten Nebel hüllte. Als wollte das Spiel selbst sagen: Wartet ab, ich habe noch Druck auf der Tube.

Nachspielzeit wird zur endlosschleife

Nachspielzeit wird zur endlosschleife

Die Uhr zeigte bereits 90.+14, als Ante Matej Jurić im Strafraum fiel. Schiedsrichter Igor Pajač entschied auf Strafstoß, zögerte, lief zum Monitor, blieb hart. Toni Fruks Schuss parierte Split-Keeper Dante Stipica, doch Fruk reagierte blitzschnell und köpfte den Abpraller über die Linie. 90.+18: 2:2. Die Gäste taumelten, die Hausherren rochen Blut.

Zwei Minuten später konterte Rijeka über links, Rukavina lief allein auf Stipica zu und schob cool ins lange Eck. 90.+20: 3:2. Die Split-Ultras verstummten, nur noch Rauch blieb.

Insgesamt wurden 20 Minuten Nachspielzeit gespielt – eine Zahl, die selbst in der kroatischen Liga Rekordniveau erreicht. Grund genug für die Tageszeitung Slobodna Dalmacija, von „Surrealismus im Stadion Kantrida“ zu sprechen.

Split verspielt die eigene halbzeit-meister-show

Split verspielt die eigene halbzeit-meister-show

Rokas Pukstas hatte Hajduk mit einem strammen Linksschuss früh in Führung geschossen (25.). Die Gäste dominierten die erste Hälfte wie Meister, liegen in der Liga nur zwei Punkte hinter Rijeka. Doch der Pokal folgt anderen Gesetzen. „Wir haben vergessen, dass Spiele in Kroatien bis zum Schlusspfiff offen sind“, sagte Trainer Gennaro Gattuso nach Abpfiff knapp und schritt Richtung Kabine.

Für Rijeka geht der Traum vom ersten Titelgewinn seit 2019 weiter. Für Split bleibt die bittere Erkenntnis: Ein 2:1 in der 95. Minute kann die schwerste Niederlage sein, wenn man anschließend vergisst, die Uhr abzustellen.

Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt