Kwasniok zittert: 3:3 im derby rettet köln – aber nicht seinen job
11 gegen 11 war schon wild, 10 gegen 11 wurde es zur Achterbahn: Der 1. FC Köln rettet gegen Gladbach ein 3:3, schrammt aber weiter am Abgrund entlang. Die Köln-Fans jubelten nach dem Schlusspfiff, doch die Frage, die durch den Katakomben-Kanal der Kabine hallt, klingt härter: Lukas Kwasniok, noch Coach, aber schon fast Ex-Coach?
Die Zahlen sind gnadenlos: zwei Siege aus 18 Spielen, Platz 16, drei Punkte bis zur Rettung. Der Punkt vom Rhein-Derby ist ein Tropfen auf einen heißen Stein – und der Stein trägt Kwasnioks Namen. Thomas Kessler, Sportchef und ehemaliger Bundesliga-Keeper, spricht das aus, was alle denken: „Unterm Strich ist der Punkt zu wenig.“ Kein Sponsoren-Gerede, kein Schönreden. Kessler klingt wie ein Mann, der schon den Zeitplan für den Trainerwechsel auf seinem Schreibberater liegen hat.
Castrop trifft doppelt – und trifft kwasniok ins mark
27 Sekunden sind gespielt, da liegen die Kölner schon hinten. Maximilian Neumann, 19 Jahre alt, A-Jugend-Debütant, sieht in seinem ersten Bundesliga-Einsatz, wie Castrop ihn alt aussehen lässt. Der Ex-Kölner schlägt den Ball unter die Latte, Neumann bleibt stehen, die Arena verstummt. Es ist der Startschuss für ein Drama in drei Akten.
Antwort Köln: El Mala trifft, dann Mark Uth – nein, Robert Glatzel war es nicht, es war Marvin Ache, der in der 17. Minute das 2:1 erzielt. Kölner Jubel, kurz. Denn Castrop ist noch nicht fertig. Er legt auf Sander auf, 2:2. Nach der Pause schlenzt Castrop selbst den Ball aus 20 Metern in den Winkel. 3:2 für Gladbach, 60. Minute, Köln am Rande der Demenz.
Die Schlussphase wird zur Schlagzeile: Jeff Chabot, hier irrtümlich Martel genannt, schiebt in der 84. Minute das 3:3 über die Linie, sieht aber wegen Meckerns Gelb-Rot. Unterzahl, Derby-Krimi, Punktgewinn – und trotzdem die Gewissheit: Dieses Team braucht einen neuen Impuls. Oder einen alten Retter.

Funkel oder wagner – die köln-lösung heißt nostalgie oder notnagel
Intern kursieren zwei Namen wie ein Virus durch die WhatsApp-Gruppen der Vereinsbosse. Option eins: Friedhelm Funkel, 72, Urgestein, schon zweimal Feuerwehrmann beim FC. Option zwei: René Wagner, 37, Co-Trainer, die interne Lösung für maximal vier Monate. Die Entscheidung soll am Sonntag fallen – oder schon heute Nacht, wenn Kessler und Präsident Werner Wolf ihre Handy-Chats löschen.
Kwasniok selbst stemmt sich gegen das Unausweichliche. „Ich bin der vollen Überzeugung, dass die Mannschaft, der 1. FC Köln und meine Wenigkeit zusammenpassen“, sagt er nach dem Spiel, die Stimme heiser vom Dauerbrüllen an der Seitenlinie. Er klingt wie ein Mann, der weiß, dass seine Power nicht mehr reicht. „Solange ich diese Power habe, muss erstmal jemand kommen, der mehr hat.“ Die Power aber misst sich nicht in Worten, sondern in Punkten. Und die fehlen.
El Mala traf, Castrop traf doppelt, Kwasniok traf ins Leere. Der FC Köln rettet ein Remis, aber nicht das Gesicht. Die nächste Woche wird zeigen, ob der Club den Mut hat, den eigenen Weg zu verlassen – oder ob er erneut in die Retro-Falle tappt. Die Uhr tickt. Der Abstand zur Rettung: drei Punkte. Die Entscheidung: fällt vor dem nächsten Spiel. Die Gewissheit: Ohne Sieg gibt es kein morgen.
