Kwasniok wirft sich im derby gegen gladbach als retter auf
Lukas Kwasniok spielt Poker mit 78.000 Nerven im RheinEnergieStadion. Der 1. FC Köln ist Tabellen-14., zwei Punkte aus den letzten sechs Spielen, und der Trainer weiß: Verliert seine Mannschaft am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, wird die Kölser Skyline aus Feuerzeugen und Rufen nach seinem Kopf bestehen.

Der 44-jährige zieht die notbremse und nennt das debakel eine „große gelegenheit“
Sollte man sich als Problem oder als Chance? Kwasniok wählt den zweiten Weg, redet sich in eine Art Selbsttherapie. „Du kannst es eben auch als große Gelegenheit und Chance wahrnehmen“, sagt er und klingt dabei, als würde er sich selbst hypnotisieren. Dabei liegt der Club mit 20 Punkten aus 17 Spielen nur einen Zähler über dem Relegationsplatz. Die Bilanz: zwei Siege, 14 Treffer, 25 Gegentreffer. Zahlen, die keine Rede von Gelegenheit erlauben.
Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler schraubt den Druck weiter nach oben. Im ZDF-Sportstudio fordert er öffentlich: „Wir müssen mal wieder ein Fußballspiel gewinnen.“ Dahinter steckt die klare Ansage: Gewinnt Köln nicht, fliegt der Coach. Die Bild-Zeitung titelt bereits vom „Job-Endspiel“. Kwasniok lächelt das weg. Er lobt die „Ruhe der Vereinsführung“ und verspricht, „zu 100 Prozent“ den Klassenerhalt zu schaffen. Ein Satz, der angesichts der Tabelle fast schon an Mutprobe grenzt.
Die Personalie spielt dabei keine Rolle. Said El Mala ist wieder fit, Jakub Kaminski und Florian Kainz ebenso. Aber Sebastian Sebulonsen und Jahmai Simpson-Pusey fehlen gelb-rot, Joel Schmied, Alessio Castro-Montes, Timo Hübers und Luca Kilian verletzt. Das Derby wird zur Zerreißprobe mit Ersatzkleber. Kwasniok sagt, seine Spieler würden „ihr letztes Hemd“ geben. Die Frage ist nur, ob das reicht, wenn der Gegner in Person von Borussia Mönchengladbach mit Alassane Pléa und Tim Kleindienst anreist.
Kurz vor Schluss wirft der Trainer noch einen Satz in den Raum, der wie ein Spiegel seiner Angst wirkt: „Ich kämpfe darum, dass ich alles dafür tue, dauerhaft Trainer beim 1. FC Köln bleiben zu können.“ Keine Taktik, keine Systemkritik – pure Existenz. Das Derby ist kein Spiel mehr, es ist ein Offenbarungseid. Und wenn die Gladbach-Fans am Samstag ihre „Wir sind die Besten am Rhein“-Rufe anstimmen, könnte es sein, dass Kwasniok auf der Bank sitzt und weiß: Das nächste Lied wird über ihn gesungen.
