Krösche zieht notbremse: riera bleibt, obwohl europa aus der reihe tanzt

Markus Krösche sprach nach dem 2:3 in Dortmund mit der Emotion eines Mannes, der gerade die Rechnung für fünf Jahre kontinentalen Fußballs präsentiert bekommt. Seine Aussage war ein Satz mit Kanzlerpotential: Albert Riera sitzt auch am letzten Spieltag gegen Stuttgart auf der Bank. Punkt. Mehr Europa-Poker gibt es nicht.

Die machtfrage hinter dem „ja“

Warum jetzt Festhalten an einem Coach, der seit Februar sieben Niederlagen eingefahren hat und die Eintracht auf Rang zwölf parkt? Ganz einfach: Wer in der Nach-Toppmöller-Ära schon wieder den Rotstift schwingt, zieht den Stein aus dem Damm. Die Kabine wäre das nächste Mal kein Umkleideraum, sondern ein Fluchtcontainer. Krösche weiß das. Deshalb das Machtwort, das wie ein Seitenhieb klingt: „Wir setzen uns danach zusammen – so wie immer.“ Das „immer“ dauert diesmal genau 90 Minuten plus Nachschlagzeiten.

Die Zahlen sind eindeutig: vier Punkte aus den letzten fünf Spielen, Torverhältnis 5:10. Die Stimmung? Zwischen Apathie und Pfeifkonzert. Riera selbst wirkt auf Pressekonferenzen wie ein Mann, der den Knöchel im Nacken trägt – seine Antworten sind lang, aber nicht beruhigend. Gegen Dortmund schickte er ein 4-2-3-1 auf den Rasen, das nach 23 Minuten aussah wie 4-2-3-weg. Die Gegentore kamen aus zweitem Ball, Standardsituation, Konter – ein Komplettpaket der Unsicherheit.

Stuttgart wird zur schallplatte mit zwei enden

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Gewinnt Frankfurt am Samstag, rutscht der VfB vielleicht noch in die Relegation. Verliert die SGE, begräbt sie ihre eigene Europa-Traum-Biografie. Krösche redet deshalb nicht vom „Saisonziel“, er redet vom „Spiel, das wir gewinnen müssen“. Alles andere sei „Müll“, sagte er leise, aber mit zusammengebissenen Zähnen. Dahinter steckt die Erkenntnis: Ein neuer Trainer bringt keine Punkte rückwirkend, aber eine neue Panik schon.

Die Fans reagieren mit gemischten Gefühlen. Im Block „Hessen-Curve“ hängt seit Wochen ein Spruchband: „Europa ist kein Selbstbedienungsladen.“ Es klingt wie ein Vorwurf an die sportliche Leitung, die im Winter mit Marmoush, Larsson und Knauff viel Geld bewegte, aber die Defensive vergaß. Jetzt steht die Eintracht vor dem ersten Jahr ohne internationales Geschäft seit 2019. Die TV-Einnahmen brechen weg, der Sponsoringschlüssel schrumpft. Die Rechnung für das Scheitern schreibt sich nicht in Excel, sondern in der Tribüne.

Riera selbst? Der Spanier schritt nach Abpfiff gesenkten Hauptes durch den Mixed Zone-Tunnel, die Hand zur Faust geballt. Kein Wort. Kein Gestikuliere. Nur die Erkenntnis: 180 Minuten können über seinen Job entscheiden – und über die Zukunft eines ganzen Vereins. Die Bundesliga macht keine Gnadenpause. Sie stellt nur Fragen. Die Antwort liefert Stuttgart.