Kroaten weg, nerven da: dbb-team zittert sich in verlängerung zurück in die wm-spur
91:89 – lauter werden die Zahlen nicht. Im ausverkauften Telekom Dome schraubt sich die Anzeigetafel in die Höhe, die Uhr läuft runter, und plötzlich steht Deutschland wieder auf Kurs Katar. Nach dem Desaster von Zagreb schlägt die Mannschaft von Àlex Mumbrú Kroatien in Bonn – mit einem Dreier von David Krämer 63 Sekunden vor Schluss und fünf Extraminuten, in denen keiner mehr an die NBA-Stars denkt, die fehlen.
Mumbrús jungs drehen die korkenzieher-defense auf
Die erste Halbzeit war ein Würgegriff: 3/17 von draußen, Mario Hezonja und Dario Saric spielten Punch-and-Judy, und Bonn schwieg sich frostelnd an. 41:50, 50:62 – die Kroaten lachten, während Ingo Weiss bei MagentaSport noch sagte: „Noch ist nicht aller Tage Abend.“ Was niemand ahnte: Der Satz wurde zum Skript.
Johannes Thiemann, Ersatzkapitän und sonst eher Arbeiter als Rampensau, schraubte sich auf 24 Punkte – Personalbest im Nationaltrikot. Er traf Fade-Aways, traf Freiwürfe, traf die Stimmung. Dahinter schaltete Oscar da Silva, der Bayern-Block, die Verteidigung um: plötzlich half der Weakside, plötzlich sprangen Handschuhe in die Passing-Lanes, plötzlich war Kroatien nur noch ein rotes Trikot ohne Antwort.

Krämers dreier jagt 6.032 stimmbänder in ekstase
77:77 – die Board-Anzeige flackerte, als hätte jemand den Strom wieder eingeschaltet. Krämer nahm den inbound, ein Schritt links, zwei nach vorn, Absprung – und Bonn explodierte. Die Verlängerung war kein Basketball mehr, sondern ein Nervenkrimi mit 24 Sekunden Schweiß. Deutschland warf nicht besser, aber entschlossener. Thiemann blockte Hezonjas Lay-up, da Silva holte den Offensivrebound, zwei Freiwürfe, 91:89, Sekunden später Abpfiff.
Die Tabelle lügt nicht: beide Teams jetzt bei 7 Punkten, Deutschland nur wegen des direkten Vergleichs auf Platz zwei. Aber die Moral zählt, und die Reise. Israel wartet am 3. Juli, Zypern drei Tage später in Bamberg. Wer dann noch einmal so kämpft, darf im August von Dennis Schröder träumen – und von Katar, wo am 27. August 2027 der Ball wieder hochgeht.
Die Nacht in Bonn war kalt, die Arena war heiß, und die deutsche Mannschaft ist zurück im Rennen. Ohne Stars, aber mit einem Herz, das sich in die Anzeigetafel schreibt: 91:89 – und keiner fragt mehr nach Zagreb.
