Kritik und Vorwürfe um Fifa-Chef Infantino: Krisensitzung und Loyalitätsbekundung
Auch nach dem Rückzug seiner Investitionspläne für die Fussball-Weltmeisterschaft regnet es weiterhin Kritik und Vorwürfe um Fifa-Chef Gianni Infantino. Ein Top-Funktionär wirft Infantino Erpressung vor, während die Fifa am Mittwoch eine Krisensitzung in Marokko einberief. Nach dem Treffen steht fest: Die Spitze des Weltfussballverbands unterstützt ihren Chef.

Expertenanalyse von Ronny Blaschke
Sportjournalist Ronny Blaschke ordnet die aktuelle Situation ein. Ronny Blaschke arbeitet als freier Journalist in Berlin. Er interessiert sich für die gesellschaftlichen Hintergründe des Sports und ist Buchautor und Moderator.
Hat Infantino die Dynamik unterschätzt? Ja, Gianni Infantino hat die Dynamik ganz klar unterschätzt. Die erfolgreiche Fussball-WM und seine politische Nähe zu Trump haben ihn beeindruckt. Seine Besuche im Weissen Haus haben sein Selbstvertrauen gesteigert, was in Hybris umgeschlagen ist und ihn offenbar glauben ließ, alles schnell durchsetzen zu können.
Drohte Infantinos Abwahl? Gianni Infantino ist kein Nationaltrainer, der mit wenigen Stimmen entlassen werden kann. Er ist ein bestens vernetzter Fifa-Präsident, und die Hürden für seine Absetzung sind hoch. Ein Sonderkongress könnte mithilfe von 20 Prozent der Mitgliedsverbände beantragt werden, doch dies würde nur geschehen, wenn der Sturz sicher wäre.
Wie geht es jetzt weiter? Infantino wird die Zeit nutzen, um seine Verbündeten um sich zu scharren: Telefonate führen, Verbände bereisen, Turniere besuchen und Kongresse versprechen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Sponsoren. Solange diese nicht abspringen, wird es für Infantino kritischer, als wenn ein Verbandspräsident den Daumen hebt oder senkt.
Wie konnte Infantino die Wogen glätten? Das Treffen in Marokko, dem WM-Gastgeber von 2030, einem ihm wohlgesonnenen Land, ist bezeichnend. Es könnte der erste Schritt seiner Befreiungskampagne sein. Er wird seine Vernetzung betreiben, wie es seine Vorgänger Blatter und Havelange getan haben.
Wunschdenken hinter der Kritik? Viele Kritiker und Fans wünschen sich Infantinos Abgang, was auf einem europäischen Blickwinkel basiert. Infantino preist dies vermutlich mit ein und hat es bei allen Entscheidungen betont. Seine Unterstützung findet er vor allem in kleineren Staaten, die von seinem Entwicklungsgeld abhängig sind. Sollten diese jedoch von einem anderen Präsidenten noch mehr erwarten, könnten sie sich gegen Infantino wenden.
