Kreuzband-beben beim bvb: emre can bleibt trotz kreuzbandriss bis 2027

Der Schock saß tief – und doch schlug er sich mit dem Kiefer nach vorn. Emre Can spielte erst gegen Bayern weiter, bis er zusammenbrach, verlor mit dem BVB 2:3, verlor seine Saison – und bekommt jetzt trotzdem Vertrauen zurück. Borussia Dortmund verlängert den auslaufenden Kontrakt seines Kapitäns bis 2027.

Sieben tage nach dem knall: dortmund hält can fest

Ein Kreuzbandriss ist im Fußball oft das Ende einer Ära. Für Emre Can ist er der Start in eine neue. „Wir haben noch auf dem Krankentrampolin gesagt: Der Mann bleibt“, erklärt Geschäftsführer Lars Ricken. Der 30-Jährige unterschrieb, noch beiläufig wie ein Autogramm, das Angebot, das ihm schon Mitte März auf dem OP-Tisch in die Hand gedrückt wurde. Die Botschaft: Kopf hoch, Knie ruhig, wir warten.

Die Zahlen sind hart: 16 Pflichtspiele lief Can in dieser Spielzeit auf, nur neunmal von Anfang an. Sein Einsatz gegen Bayern war die 17. Minute, als er im Zweikampf mit Jamal Musiala wegrutschte und das rechte Knie nach innen einknickte. Er schleppte sich noch durch die Halbzeit, dann kam Ramy Bensebaini. Die Diagnose folgte zwei Tage später: vorderes Kreuzband, komplett. Saison-Aus, EM-Aus, Zukunft offen.

Offen – aber nicht mehr lange. Niko Kovac plant weiter mit seinem Mittelfeld-General, der seit Januar 2020 vom Juventus-Bankplatz nach Dortmund flüchtete und sich zum Anführer hochschrie. 189 Bundesliga-Spiele, 115 in der Premier League, 37 in der Serie A. 48 Länderspiele. Eine Karriere, die über drei Top-Ligen reicht, soll in Dortmund nicht mit einem Krankenschein enden.

Can antwortet: „ich will zurück, um zu gewinnen“

Can antwortet: „ich will zurück, um zu gewinnen“

„Der BVB ist ein besonderer Verein“, sagt Can in einem ersten Statement, das klingt, als hätte er es per Whatsuit diktiert. „Ich möchte mich für die Unterstützung bedanken. Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder gesund zu werden – und mit der Mannschaft erfolgreich zu sein.“ Kein Pathos, kein Marketing-Sprech. Ein Satz, der in sechs Monaten auf dem Rasen wieder eingelöst werden muss.

Dortmunds sportliche Leitung schickt ein Signal in die Kabine: Loyalität zählt mehr als Ligaspielzeit. Can ist nicht mehr der 90-Minuten-Mann von einst, aber er ist derjenige, der im Wintercamp in Marbella um 7 Uhr das Laktattest erfand. Der im Champions-League-Viertelfinale gegen Atlético noch mit der Zunge schnalzte, als andere die Hände auf die Hüften stemmten. Ein Typ, der in der Saison, in der Jude Bellingham wegging, die Binde übernahm und nie abgab.

Die Rechnung ist denkbar simpel: Ein Jahr Gehaltssicherheit für Can, ein Jahr Planungssicherheit für den Klub. Die Ablöse wäre im Sommer null gewesen, das Risiko, ihn nach neun Monaten Reha erneut zu verlieren, bleibt. Aber das Risiko, die Seele der Mannschaft vorzeitig ziehen zu lassen, war offenbar größer. Luca Reggiani, 18, Abwehr-Talent, bekam ebenfalls ein neues Papier – doch bei ihm war es nur ein logischer Schritt. Bei Can ist es ein Statement.

Der 32-Jährige wird voraussichtlich ab Januar 2025 wieder sprinten. Dann sieben Jahre BVB, 200 Spiele, ein Pokal, eine Geschichte, die sich fortsetzt – auch wenn das Knie gerade nein gesagt hat. Die Liga bekommt ihren Emre Can zurück, der BVB behält seinen Kapitän. Und Can? Der behält sein Versprechen: „Ich komme wieder.“ Keine Frage, keine Metapher. Eine Ansage.