Krawietz und pütz schlagen tennis-weltelite und krönen sich in monte carlo
Der Sand sprach Deutsch. Kevin Krawietz und Tim Pütz bügelten im Finale von Monte Carlo einen Satzrückstand aus, schmetterten im Match-Tiebreak jeden Zweifel weg und schrieben nach 32 Jahren den nächsten deutschen Doppeltriumph ins Fürstenbuch.
Sieben matchbälle, ein pokal, ein platz in der geschichte
4:6, 6:2, 10:8 – die Zahlen wirken harmlos. Doch wer die drei Matchbälle sah, weiß: Der Coburger und der Frankfurter schrammten haarscharf am Abgrund entlang. Gegen Mate Pavic undMarcelo Arevalo, aktuell Weltranglisten-Neun, lagen sie 6:8 im Champions-Tiebreak zurück. Dann rissen sie vier Punkte in Serie heraus, verwandelten den ersten Matchball und ließen im Court Rainier III jene Stille entstehen, die nur Sieger erzeugen.
Die Uhr zeigte 14:57 Uhr, als Pütz den Return von Arevalo auf die Schuhspitzen setzte. Krawietz stürmte ans Netz, fiel seinem Partner um den Hals. 34 und 38 Jahre alt, unverdrossen, unverblümt. „Wir haben gezeigt, dass Alter nur eine Zahl ist“, sagte Pütz, noch mit roter Ton-Schicht auf den Socken.

Von außenseitern zu monte-carlo-königen
Die Buchmacher hatten 2,65-Quoten gegen sie ausgegeben. Zu recht?, fragte man sich nach dem ersten Satz. Pavic’ Slice servierte wie ein Springmesser, Arevalo attackierte jede Lücke. Doch Krawietz hob das Return-Level auf 92 %, Pütz variierte wie ein Schachgroßmeister. Zweiter Satz: Break zum 3:2, Doppelbreak zum 5:2, Satzausgleich. „Wir haben einfach angefangen, mutiger zu spielen“, sagte Krawietz. „Kein Safe-Modus mehr, nur noch Vollgas.“
Der Match-Tiebreak wurde zur Achterbahn. 0:2, 2:4, 6:8 – dann der Wendepunkt: Krawietz’ Rückhand-Passierball auf die Linie. 9:8. Pütz’ Volley ins Kreuz. Aus. 10:8. Jubel wie 1992, als Boris Becker und Michael Stich das letzte deutsche Duo waren, das hier oben stand.

Der sand, der ihre saison veränderte
Die Statistik hatte sie abgeschrieben: nur zwei Siege in fünf Sandturnieren seit 2022. Jetzt holen sie sich Titel Nummer fünf als Team, den zweiten auf Master-Ebene nach Shanghai 2023. In der Live-Wertung springen sie auf Position elf und zwölf, doch das interessiert sie weniger. „Wir wollten beweisen, dass wir auf Sand nicht nur Durchgänger sind“, sagte Krawietz. Der Beweis steht jetzt im Fürstlichen Palast von Monaco: zwei Pokale, ein Foto mit Albert II., ein Eintrag im Annalenbuch.
Die Saison ist jung, Wimbledon fern. Aber Montecarlo gilt als Gradmesser. Wer hier gewinnt, gilt in Paris als dunkler Favorit. Krawietz kennt die Roland-Garros-Tonne, holte 2019 und 2020 mit Andreas Mies den Musketier-Pokal. Pütz träumt seit seinem Paris-Indoors-Coup 2021 vom Grand-Slam-Titel. „Warum nicht wir?“, wirft er ein, während sie den roten Staub von den Armen klopfen.
Der nächste Aufschlag kommt in Madrid. Doch der Klang der Sekundenzeiger von Monte Carlo wird sie begleiten. 32 Jahre nach Becker und Stich. Vier Punkte vom Aus. Ein Matchball. Deutsche Tennis-Geschichte, geschrieben mit Sand zwischen den Zehen.
