Kovac schlägt zurück: warum nagelsmann beier aussortiert – und was das für den bvb bedeutet
Der Jubel nach dem
3:2 gegen den HSV war verraucht, da schlug Niko Kovac schon den nächsten Ton an: Maximilian Beier gehört für ihn ins DFB-Trikot – Punkt. Julian Nagelsmann sieht das anders. Der BVB-Coach kochte beim Thema Nicht-Nominierung regelrecht vor Empörung. „Ich persönlich hätte ihn mitgenommen“, sagte er mit der Stimme eines Mannes, der gerade zwei Elfmeter-Penny von seinem Shootingstar geprägt gesehen hat.Die leistung spricht, der bundestrainer schweigt
Beier lief gegen Hamburg zweimal in den Strafraum, zweimal blieb der Gegner am Boden, zweimal zappelte das Netz. Drei Punkte, ein Statement – und trotzdem keine Einladung nach Basel oder Stuttgart. Kovac zählte die Gründe auf, die Nagelsmann offenbar nicht zählt: Laufwege, Abschlusszahlen, die Coolness vom Punkt. „Sehr viel mehr Gründe als nicht“, wetterte er. Dahinter steckt Frust, aber auch Kalender-Poker. Der 23-Jährige war zuletzt im Oktober dabei, nun verpasst er den ersten Test des WM-Jahres. Für Kovac ein Schritt zurück, für Nagelsmann nur ein Schritt zur Seite.
Der Bundestrainer setzt stattdessen auf Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton und Felix Nmecha – alles Dortmunder, aber eben nicht Beier. Auch Karim Adeyemi bleibt zu Hause. Nagelsmann spricht von „frischen neuen Kräften“, doch das klingt nach Code für: Wir schauen, wer mit Druck umgehen kann. Beier hat den Druck gegen Hamburg bewiesen, doch Nagelsmann will offenbar andere Antworten.

Die wm ist im november, der sturm jetzt
Kovac glaubt trotzdem an das Ticket für Beier. „So etwas brauchen wir bei einer WM“, sagt er und meint: einen Angreifer, der in der 89. Minute noch die Beine stellt, der Strafraum-Intelligenz mit Tempo verbindet. Die Statistik gibt ihm recht: 18 Liga-Tore in 45 Spielen, dazu fünf Vorlagen in dieser Saison. Die Frage ist nicht, ob Beier gut genug ist, sondern: Wer verdrängt ihn im Sturmzentrum? Niclas Füllkrug ist gesetzt, Deniz Undav liefert bei Stuttgart, Kai Havertz spielt links außen. Beier steht hinten an – vorläufig.
Für den BVB bedeutet das: Er behält einen hungrigen Knipser, der sich beweisen will. Kovac kann ihn gegen Freiburg und Mainz schonen oder schalten lassen. Beier selbst schwieg nach dem Spiel, aber seine Laufstatistik sprach: 11,2 km, 24 Sprints. Wer so rennt, rennt auch nach Katar – wenn Nagelsmann umdenkt. Die nächsten Wochen sind sein zweiter Anlauf. Kovac wird zuschauen, zählen, und falls Beier wieder trifft, wird er wieder fragen: „Wie viele Gründe braucht der Bundestrainer noch?“
