Kompany warnt vor atalanta-remake: prescott, 16, steht im tor

Vincent Kompany schlägt mit der Faust auf das Pult. 6:1 hin oder her – der Bayern-Coach will kein Déjà-vu riskieren. „Wir spielen kein Freundschaftsspiel, wir spielen Champions-League-Knockout“, knurrt er in der kleinen Pressebox am Säbener Strasse. Hinter ihm flackert das Logo der UEFA, vor ihm 25 Mikrofone, die seine Worte nach Italien tragen. Die Botschaft ist klar: Atalanta hat in Mailand gerade Inter gestoppt – wer denkt, das Rückspiel sei gelaufen, wird blamiert.

Neuer und urbig sind dabei, aber nicht ganz da

Die Torhüterfrage ist offen wie nie. Manuel Neuer trainierte zwar durch, doch der 38-jährige Kapitän kämpft noch mit den Folgen seiner Schulter-Operation. Ebenfalls auf dem Platz: Jonas Urbig, 21, Ersatz der Reserve, selbst noch angezwickt. Leon Klanac, eigentlich vorgesehen, fällt mit einer Oberschenkelzerrung aus. Bleibt Leonard Prescott – 1,96 m, 16 Jahre, Schul-ID noch in der Tasche. „Er hat ruhig mitgekickt, keine Nervosität erkennbar“, sagt Kompany und lächelt kurz. „Wenn der Medizinstaff Neuer freigibt, steht er. Wenn nicht, vertraue ich dem Jungen.“

Die Zahl, die durch die Kabine geistert: 75.000 erwartete Fans, trotz Bahnstreik. Die Münchener Gewerkschaft ruft genau am Spieltag zum 24-Stunden-Ausstand auf. Kompany: „Ich hoffe, sie kommen zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Skateboard. Sie sollen sehen, dass wir bereit sind.“

Olise und kimmich schauen von der tribüne

Olise und kimmich schauen von der tribüne

Michael Olise brauste nach dem Training mit offenem Fenster und lauter Bassline vom Gelände – gesperrt, aber gut gelaunt. Joshua Kimmich wird neben ihm sitzen. Beide wurden schon gegen Inter letzte Saison vermisst, als der FC Bayern im Viertelfinale scheiterte. Kompany will die Geschichte nicht wiederholen: „Wir haben die Atlético-Videos analysiert, die Liverpool-Spiele, die Inter-Spiele. Drei Taktik-Boards voll. Wer denkt, wir würden verwalteln, kennt mich nicht.“

Die Atalanta-Profis landeten am Nachmittag in Riem. Gian Piero Gasperini kündigte an, „mit zwei Stürmern und ohne Netz“ zu beginnen. Das 3:4:3, das Bayern in Bergamo überrannte, soll diesmal früher pressen. Kompany kontert mit einer Umstellung auf 4-2-3-1, Jamal Musiala als falsche Neun, Leroy Sané auf links – ein Mittelfinger an die Statistik, die sagt, dass Bayern nach 6:1-Hinspielen nur einmal ausgeschieden ist (1959 gegen Young Boys).

Die Uhr naht 21:00. In der Halle riecht es nach Magnesium und Kaffee. Prescott zieht sich die Handschuhe an, Neuer klopft ihm auf die Schulter. Draußen tobt bereits ein Karneval in Rot – ohne Bahn, aber mit Glauben. Kompany nimmt seine Jacke: „Wenn wir das Viertel erreichen, ist es kein Kindergeburtstag, sondern ein K.o.-Sieg gegen Italien. Und der Junge im Tor wird nicht allein stehen, sondern mit 75.000 Leuten im Rücken.“ Die Tür schwingt zu, die Lichter dimmen. München wartet auf ein Fußball-Märchen – oder die nächste Lektion.