Kolumbiens wm-trikot: politische zündschnur vor dem finale?

Die Freude über die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko-Stadt wird in Kolumbien von einem unerwarteten Streit überschattet: Das gelbe Trikot der Nationalmannschaft, das eigentlich Millionen vereinen soll, ist zum Schlachtfeld politischer Interessen geworden. Ein Rechtsstreit droht, die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen.

Die instrumentalisierung des trikots durch einen präsidentschaftskandidaten

Die instrumentalisierung des trikots durch einen präsidentschaftskandidaten

Abelardo de la Espriella, ein Präsidentschaftskandidat mit Nähe zu Donald Trump, hat das gelbe Trikot der Cafeteros zu einem zentralen Symbol seines Wahlkampfs gemacht. Seine Anhänger trugen es in Scharen zu Kundgebungen, oft ergänzt durch ein aufgedrucktes Tigergesicht – dem Symbol seiner Kampagne. David Quitian, ein Sportanthropologe, sieht darin einen Versuch, „sportliche Leidenschaft und politische Leidenschaft“ zu vermischen – eine Strategie, die auf eine gezielte Mobilisierung seiner Wählerbasis abzielt.

Der linke Gegenkandidat Ivan Cepeda warf dem Millionär und Anwalt vor, das Trikot zu „stehlen“ und für seine Zwecke zu vereinnahmen, eine Anspielung auf die ähnliche Taktik des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der das Trikot seiner Nationalmannschaft für seine politischen Ziele missbrauchte. Die Situation eskalierte, als ein Richter in Bogotá kurz vor dem Turnierbeginn die „sofortige und endgültige Einstellung“ der politischen Nutzung des Trikots anordnete. Ein klarer Appell, die sportliche Leidenschaft von politischen Ambitionen zu trennen.

Der kolumbianische Fußballverband hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und forderte, das Nationalteam aus den politischen Debatten herauszuhalten. Das Ziel ist eindeutig: Die Menschen sollen über soziale Schichten, politische Überzeugungen und religiöse Hintergründe hinweg hinter den kolumbianischen Farben stehen – als Zeichen der Einheit, nicht als Instrument der Polarisierung. Ob dies gelingt, wird sich zeigen. Zumindest am Mittwoch, vor dem ersten Spiel gegen Usbekistan (Donnerstag, 4:00 Uhr MESZ/MagentaTV), scheint eine kurzzeitige Versöhnung erreicht worden zu sein.

Die Stichwahl zur Präsidentschaft steht unmittelbar bevor, nur vier Tage später. Die Frage, ob der politische Schatten des gelben Trikots die Stimmung beeinflussen wird, bleibt offen. Doch eines ist gewiss: Die Welt des Fußballs und die Politik überschneiden sich in Kolumbien auf eine Art und Weise, die weit über das sportliche Ereignis hinausgeht. Die Fans dürfen hoffen, dass die Spieler auf dem Platz die Einheit verkörpern, die die Nation gerade so dringend benötigt.