Knietränen und olympiaplänen: hilary knights letzter tanz auf dem eis
Hilary Knight hat in Mailand auf einem zerrissenen Innenband gespielt – und trotzdem Kanada das Herz gebrochen. Der US-Superstar erklärte in der US-Fernsehsendung „CBS Mornings“, sie habe sich kur vor Olympia das Knie kaputtgemacht, sich aber mit Schienen und Spritzen in die Eislinie stellen lassen. Das Resultat: Gold, ihr zweites nach 2018, und das 1:1 im Finale 17 Sekunden vor dem Ende. Die Verlängerung nahm das Team mit einem Keller-Tor, Knight nahm eine Gehhilfe.

Verletzt, verlobt, verabschiedet
Die 36-Jährige lachte, als sie das Band an ihrem rechten Knie zeigte – ein dickes Gummi, das sie die gesamten Spiele hindurch unter der Schutzkleidung versteckte. „Ich konnte nicht richtig laufen, aber ich konnte schießen“, sagte Knight. Der Schuss war ein Backhand unter die Latte, Torhüterin Ann-Renée Desbiens sah nur die Aufschrift „USA“ vor ihrem Visier. Die Fans im Forum di Milano rasten aus, die Kanadierinnen schwiegen. Die US-Frauen holten sich in der Overtime den vierten Olympia-Titel ihrer Geschichte.
Nun sitzt Knight auf der Tribüne der Seattle Torrent, die Saison läuft ohne sie. Auch Coyne Schofield und Ambrose fehlen ihren Clubs – ein Verletzten-Trio, das die PWHL-Tabellen durcheinander wirbelt. Knight selbst hat ihren Rucksack bereits gepackt: kein Olympia 2030. „Ich verarbeite das Ende dieses Märchens“, sagte sie und strich sich durch das blonde Haar, das während des Interviews immer wieder in ihre Augen fiel. Die Verlobung mit ihrer langjährigen Partnerin, ebenfalls in Mailand gefeiert, habe den Abschied versüßt – „Romantik PUR“, wie sie lachend sagt, aber der Schmerz im Knie erinnert sie täglich daran, dass jeder Sieg seinen Preis hat.
Die Statistik steht: fünf Medaillen in fünf Spielen, 33 Playoff-Tore für die Nationalmannschaft, null Niederlagen in olympischen Endspielen. Knight wird die Zahlen nicht mehr erweitern. Stattdessen wird sie sich auf die Frontoffice-Karriere konzentrieren, bei der Professional Women’s Hockey League hat sie bereits ein Angebot als Brandbotschafterin auf dem Tisch. Das Knie muss heilen, die Geschichte ist geschrieben. „Dass wir nach der Rückkehr so viel Liebe bekommen haben, war unglaublich“, sagte sie – und für einen Moment klang ihre Stimme, als würde sie noch einmal das Eis betreten.
