Klopp explodiert nach debakel: „wir waren kanonenfutter“
Jürgen Klopp sah rot. Direkt nach dem Abpfiff in Philadelphia sprach der ehemalige Liverpool-Coach in der MagentaTV-Konsole nicht, sondern donnerte. „Wir wurden in den Zweikämpfen aufgefressen“, schleuderte er dem Mikrofon entgegen. Die 1:2-Niederlage gegen Ecuador katapultiert die DFB-Elf ins Zwischenfieber, doch die Worte des 57-Jährigen klangen wie ein Generalabtausch.
Ballverluste in den falschen räumen
Was Klopp auf die Palme brachte, war nicht nur die Pleite, sondern ihr Geschmack. „Die Jungs haben sich mit ihren Ballverlusten selbst zerlegt. Einmal, zweimal – okay. Aber immer wieder an der Mittellinie? Das ist kein Zufall, das ist Verweigerung.“ Thomas Müller, selbst Weltmeister von 2014, nickte nebenan: „Argentinien agiert zwei Ecken weiter, wir spielen halbseiden und glauben, es reicht, schön hin und her zu passen.“
Wirtz und Musiala, die beiden Hoffnungsträger, liefen sich laut Klopp „quer wie Kreuzfahrtgäste“, aber wenn der Ball weg war, „war Luft – null Gegenpresse, null Schutzraum“. Der Experte machte kein Blatt vor den Mund: „Fußball ohne Emotion ist nur Kicken. Und Kicken reicht in einer WM nicht.“

Hummels fordert charakter statt konzept
Mats Hummels, eingewechselt zur Pause, starrte vor sich hin und schüttelte den Kopf. „Wir verteidigen tief, aber das Mittelfeld presst nicht. Dann brauchst du nicht über Taktik reden, sondern über Willen.“ Der Innenverteidiger sprach von „Zaghaftigkeit“ und „Charakterfragen“ – Worte, die in einer Reisetasche voll klangen, die sonst nur Bälle enthält.
Der dritte Gegentreffer der Gruppenphase ließ Manuel Neuer erneut schlecht aussehen. Bei Ecuardors 70-Minute-Kopfball stand er einen Schritt zu weit vor, die Ecke flog über ihn hinweg. Er zuckte die Achseln: „Ich habe abgewogen, Flanke oder Hereingabe – und verloren.“ Was bleibt, ist ein Kader mit Talent, aber ohne Biss.
Klopp gab den Satz mit, der bis zum Achtelfinale gegen die Schweiz nachhallen wird: „Wenn ihr euch nicht zerreißt, zerreißt euch jemand anderes.“ Die Schweizer werden sich das zu Gemüte führen. Deutschland muss drei Tage lang in sich gehen – oder geht früh nach Hause.
