Klinsmann zerreißt italiens stolz: yamal zeigt, was die serie a verpasst
Ein 17-Jähriger wird zum Albtraum der Squadra Azzurra. Jürgen Klinsmann sagt: Das ist kein Zufall. Der deutsche Weltmeister sieht in Lamine Yamal den lebenden Beweis für die strukturelle Krise des italienischen Fußballs – und trifft den Nerv eines ganzen Landes.
»Italiens talente würden heute noch in serie b schmoren«
Die Zahlen sind brutaler als jede Glosse: Kein WM-Ticket 2018, keins 2022, jetzt auch 2026 weg. Seit 2010 wartet Italien auf ein Viertelfinale, seit 2007 auf eine Champions-League-Trophäe. Klinsmann, der beim Inter Milan seine beste Torschützenzeit feierte, sagt: »Ein Yamal oder Musiala würde hier erst mal runtergestuft, um Erfahrung zu sammeln.« Gemeint ist: in die zweite Liga. Der Befund trifft wie ein Seitenhieb gegen das, was einst Calcio-Juwelen hieß.
Der 61-Jährige spricht von einem System, das sich selbst blockiert. Statt junge Kreativspieler durchzuboxen, setzen Clubs auf kurzfristige Punkte. Ergebnis: Der jüngste Scudetto-Torschützenkönig ist 29, der teuerste italienische Neuzugang dieser Saison ein 31-jähriger Mittelfeldstratege. Vergleicht man die Startelf von Spaniens U19-Europameistern mit der italienischen, fällt auf: Bei den Iberern standen acht Stammkräfte aus der Primera División, bei den Azzurrini nur zwei aus der Serie A.

Taktik als gefängnis statt rache
Klinsmanns härteste Diagnose: »Die taktische Kultur ist keine Rüstung mehr, sondern ein Korsett.« Noch immer dominieren Trainer, deren erste Frage lautet: Wie verhindern wir, dass wir verlieren? Statt: Wie gewinnen wir? Das 0:0 gegen Bosnien, das Italien die WM kostete, war symptomatisch: 64 % Ballbesitz, zwei Torschüsse aus dem Spiel. Der Plan: risikominimieren. Das Ergebnis: Enttarnung.
Die Folgekosten sind nicht nur sportlicher Natur. Die Übertragungseinnahmen der Serie A brachen in den letzten fünf Jahren um 27 % ein. Sponsoren flüchten zu jüngeren, schnelleren Ligen. Und die Fans? Die Kurven werden laut, aber leerer. In San Siro fehlten gegen Mailand zuletzt 18 000 Zuschauer – bei einem Topspiel.
Ein einzelner Spieler wird diese Misere nicht retten. Aber Yamals Gala gegen Italien im Oktober hat gezeigt, was möglich wäre, würde man Talente wirklich fördern. Stellvertretend steht der 17-Jährige für Tempo, Mut, Entscheidungsfreude – Eigenschaften, die dem aktuellen Italien fehlen wie dem Papst ein Handyvertrag.
Klinsmanns Fazit ist kein Rat, sondern ein Schuss vor den Bug: »Wenn die Serie A nicht endlich aufwacht, verschläft sie nicht nur eine Generation, sondern ihren Platz in Europas Elite.« Die Uhr tickt. In drei Jahren steht die nächste WM an. Ohne Reformen droht das gleiche Déjà-vu. Nur werden dann die Yamals der Welt noch ein paar Millionen teurer sein – und Italiens Antwort vielleicht noch ein paar Jahre zu spät.
