Kläbo stürzt, gehirn gebeutelt – norwegens langlauf-könig droht saison-aus

Johannes Hösflot Kläbo flog gestern beim Sprint in Drammen mit voller Wucht auf die harte Loipe – und landete im Krankenhaus. Der sechsfache Gesamtweltcupsieger zog sich eine leichte Gehirnerschütterung zu, wie Teamarzt Ove Feragen am Freitag bestätigte. Folge: Der 28-Jährige verpasst das traditionsreiche 50-km-Rennen am Holmenkollen am Samstag und muss um den Saison-Aus bangen.

Der sturz und seine erste reaktion

Zeitlupen zeigen, wie Kläbo nach einem leichten Fahrfehler in der letzten Kurzkehre mit dem Kopf voran aufprallt. Er blieb zunächst liegen, rappelte sich aber noch auf und fuhr mit zitternden Knien ins Ziel. Dort brach er zusammen. „Er wollte weitermachen, sein Körper sagte Nein“, sagte Feragen. Die norwegische Staffel schob ihn sofort ins Ullevål-Sykehus, wo CT und MRT die Diagnose brachten.

Die Symptome seien klassisch: leichte Benommenheit, Übelkeit, Fotophobie. Die medizinische Leitlinie verlangt absolute körperliche Schonung für mindestens fünf Tage. Ein Start in Lake Placid vom 20. bis 22. März gilt als „illusorisch“, wie Feragen einräumte. Kläbo selbst schweigt auf Instagram, postete nur ein Schwarzbild mit dem Satz: „Der Kopf brummt, aber das Herz schlägt.“

Was das für den gesamtweltcup bedeutet

Was das für den gesamtweltcup bedeutet

Den hat er längst gewonnen – 552 Punkte Vorsprung vor Federico Pellegrino. Doch der Prestigeverlust ist gewaltig. Ohne ihn fehlt dem Weltcup das Aushängeschild, die TV-Quoten dürften in Norwegen einbrechen. Sponsor Red Bull hatte extra eine Helmkampagne mit Kläbo geplant, die jetzt vorerst eingefroren wird. Und die norwegische Mannschaft verliert ihren mentalen Anführer kurz vor der WM-Generalprobe.

Die Konkurrenz reagiert erleichtert. „Ohne Johannes wird die Loipe enger, aber auch unberechenbarer“, sagt Schweden-Chefcoach Anders Byström. Seine Athleten trainierten heute mit erhöhtem Pulswert – nicht vor Müdigkeit, sondern vor Opportunität.

Kläbos historie mit kopfschlägen

Kläbos historie mit kopfschlägen

Es ist nicht der erste Schock: 2019 kollidierte er in der Tour de Ski mit Lucas Chanavat, 2021 rutschte er in Lenzerheide aus. Beide Male lief er binnen Tagen wieder auf. Doch diesmal verlangt das Medizinprotokoll Geduld. „Jede weitere Belastung vor vollständiger Symptomfreiheit verlängert die Erholung um Wochen“, warnte Feragen.

Kläbo wird heute nach Trondheim verlegt, wo ihn seine Frau und der neugeborene Sohn erwarten. Der Arzt spricht von „Rückzug statt Rückschlag“. Die Familie bestellt keine Besucher, das Handy bleibt ausgeschaltet. Der Langlauf-König muss lernen, dass selbst er nicht unverwundbar ist.

Die Saison endet für ihn vielleicht mit 24 Siegen – eine Zahl, die jeder andere für ein Lebenswerk halten würde. Für Kläbo ist sie nur der Beweis, dass er noch schneller fallen kann, als er laufen kann.