Kimmich zieht durch: wer keinen bock auf länderspiel hat, soll zu hause bleiben
Joshua Kimmich schickt drei Tage vor der Reise nach Stuttgart eine Kampfansage durch den Sendesaal. „Wer sagt ‚Boah, da lass ich lieber mal aus‘, der soll es gleich lassen“, donnert der 31-Jährige und meint damit keinen Neuling, sondern den gestreikten Topstar im Kopf. Die Botschaft ist klar: Nationalteam ist kein Freifahrtschein für Gemütlichkeit, sondern Luxusvergünstigung mitdem man sich verdienen muss.
Warum diese worte gerade jetzt fallen
Julian Nagelsmann muss gegen die Schweiz und Ghana auf Musiala, Sané und Wirtz verzichten – kein einziger hat sich verletzt, alle schippern auf der Insel oder in München durch den Ligaalltag. Die Abwesenheit der Kreativgiganten brennt dem Bundestrainer Löcher in die Staffelung, doch Kimmich sieht im Schlamassel eine Chance. „Wenn wir jetzt nicht zusammenrücken, wann dann?“ Der Kapitän will kein Jammern, sondern eine Gruppe, die sich auf dem Rasen verblutet, bevor sie den Pass nach vorn verfehlt.
Die interne Statistik liefert ihm Recht: Seogen die letzten acht Länderspiele nur drei Siege, dazu eine Torbilanz von 9:11. Die Zahlen sind das Papier, das Nagelsmann nächtelang durchwühlt. Kimmich spürt die Last trotzdem mit den Händen. „Jedes weitere Spiel verbindet uns mehr“, sagt er und klingt wie ein Mann, der weiß, dass Chemie sich nicht per Zoom erzeugen lässt.

Was hinter der leidenschaft steckt
Die WM-Gruppe mit Ecuador, Elfenbeinküste und Curaçao wartet im Juni. Für Kimmich klingt das wie ein Drei-Gänge-Menü, bei dem man die Vorspeise noch verspeist, während der Koch das Dessert schon anbrennen sieht. Er will keine Experimente mehr, sondern eine Startformation, die nach zehn Minuten erkennt, wer rechts außen steht, ohne hinzusehen. Die Testspiele sind dafür der letzte Schiefer, auf dem er Nagelsmann die taktische Schablone nageln kann.
Seine eigene Karriereuhr tickt unbarmherzig: Mit 31 ist Kimmich zwischen Generation und Übergang. Er kennt den Geruch von Rio 2014 und die Enttäuschung von Katar 2022. Die nächste WM könnte seine letzte sein, das weiß auch er. Deshalb die Härte, deshalb die Ansage ohne Blatt vor dem Mund. Wer jetzt noch Erklärungsbedarf hat, ist im falschen Film.
Am 27. März steht er um 20:45 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena auf dem Rasen, die Hände in die Hüften gestemmt. Dann zählt kein Instagram-Statement, sondern nur, wer neben ihm bereit ist, in die 90 Minuten zu rennen, als wären es die letzten seiner Karriere. Kimmich hat seinen Satz gesagt. Wer ihn ignoriert, fliegt raus aus der Maschine – ohne Fallschirm und ohne Rückflugticket.
