Kimmich unter beschuss: nagelsmann räumt fehler ein
Dortmund – Der Jubel über den vorzeitigen Gruppensieg der deutschen Nationalmannschaft bei der WM hallt nach, doch ein Nachspiel sorgt für Gesprächsstoff: Joshua Kimmich steht im Visier der Kritik. Sein Verhalten beim Gegentor gegen die Elfenbeinküste wird von Experten scharf analysiert, und Bundestrainer Julian Nagelsmann lässt nun indirekt ein Versäumnis des DFB-Kapitäns zu.

Die szene, die für aufsehen sorgt
Im WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste ließ Kimmich seinen direkten Gegenspieler, Yan Diomande, auf dem Flügel passieren, dessen Hereingabe zum 0:1 führte. Eine Situation, die ehemalige und aktuelle Experten gleichermaßen scharf beurteilten. Thomas Müller, der ehemalige Mitspieler Kimmichs, zeigte sich bei MagentaTV deutlich: „Wenn wir gegen schnelle Außenspieler kommen, dann muss dieses Doppeln anders genutzt werden.“
Müller erklärte anschaulich, wie Kimmich hätte agieren sollen: Felix Nmecha war zur Unterstützung aus dem Zentrum gekommen, doch Diomande wählte den Weg an die Grundlinie, nutzte seine Schnelligkeit und brachte die Kugel gefährlich herein. „Nene Brown hat das immer wieder angezeigt mit seiner Körpersprache. Der hat das mit Flo Wirtz ein bisschen besser gemacht auf der linken Seite“, so Müller. „Jo hat einen dazubekommen, aber muss dann eben Longline schließen, wenn der zweite Mann dabei ist. Und dann auch aggressiver in den Zweikampf rausstechen.“
Auch Weltmeister Per Mertesacker vom Jahr 2014 drückte seine Einschätzung aus: „Für mich öffnet Kimmich die Seite zu sehr.“ Er bemängelte, dass Kimmich zu viel Platz ließ. Der langjährige Bundesliga-Trainer Christian Streich erkannte ebenfalls einen Stellungsfehler: „Sané und Nmecha sind ja da. Wenn er nicht die Schnelligkeit hat, muss er schon näher an der Grundlinie stehen.“
Nagelsmanns indirekte Kritik
Bundestrainer Julian Nagelsmann vermied es zwar, Kimmich direkt zu kritisieren, doch seine Worte nach dem Spiel ließen wenig Zweifel an einem Versäumnis der Mannschaft. „Wir müssen einfach früher verteidigen. Wir machen es eigentlich super. Wir haben eigentlich nur eine Seite zu verteidigen. Leider attackieren wir ein bisschen zu spät. Und dann wird es schwer, wenn er ins Laufen kommt.“ Kimmich hatte selbst vor der Partie Diomandes Dribbelkünste und Schnelligkeit gewarnt, was die Kritik noch schärfer erscheinen lässt.
Deutschland geriet durch das Gegentor in der 30. Minute lange unter Druck, doch Deniz Undavs Doppelpack in der 68. und 94. Minute bescherte dem DFB-Team letztlich einen 2:1-Sieg und den sicheren Gruppensieg. Die Diskussion um Kimmichs Verhalten wird jedoch weitergeführt – ein Zeichen dafür, dass selbst bei einem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale noch Luft nach oben ist.
Die Leistung von Joshua Kimmich wird nun genau unter die Lupe genommen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie er auf die Kritik reagiert und ob er im nächsten Spiel eine verbesserte Leistung zeigen kann. Die Erwartungen an den DFB-Kapitän sind hoch, und die kommenden Spiele werden zeigen, ob er den Herausforderungen gewachsen ist.
