Kimi antonelli schreibt geschichte in suzuka und fliegt nach hause mit 18 jahren an der wm-spitze
Zwei Siege, ein Bolt-Sprung und ein Vater, der nicht einmal die Abreise gutheißen wollte – Kimi Antonelli landet in Bologna als jüngster Tabellenführer der Formel-1-Geschichte.
Die Nacht von Suzuka war kaum vorbei, da saß der 18-Jährige bereits auf dem Beifahrersitz eines japanischen Taxis, zwei Stunden bis Tokio, dann Langstreckenjet nach Europa. „Dio bo’, bin ich fix und fertig“, lacht er, während er per WhatsApp ein Selfie schickt: dunkle Ringe unter den Augen, dazu ein Grinsen, das nicht mehr weg will. Die Karriere des Mercedes-Juniors beschleunigt sich so schnell wie seine AMR23 auf der Geraden vor der 130R.
Der start, der alles verspielte – und die safety-car-gabe, die alles zurückbrachte
Pole, aber nach 200 Metern schon Sechszehntel verloren: „Ich war wütend, richtig wütend.“ Dann kam die Safety-Car-Phase, Antonelli schaltete auf Angriff, fuhr sich in 18 Runden wieder an die Spitze und ließ Verstappen & Co. alt aussehen. Die Bilder danach: Mechaniker jagen ihn über die Boxengasse, er flüchtet ins Ferrari-Hospitality-Zelt – als hätte er Angst, die eigene Historie könnte ihn einholen.
Usain-Bolt-Pose? Geplant für Shanghai, vergessen, jetzt nachgeholt. „Manchmal muss man sich selbst daran erinnern, dass man lebt“, sagt er und klingt dabei wie ein Mann, der schon zu viele Interviews gegeben hat, bevor er durfte.

Papa nicht begeistert – und ein land, das sich selbst feiert
In San Marino wartet Familie. Vater Marco war skeptisch: „Er fand den Flug zu weit, zu teuer, zu riskant.“ Mutter Amalia und Schwester Maggie verfolgten das Rennen vor dem Laptop, 9.000 km entfernt. „Als Kimi über die Ziellinie fuhr, habe ich nur geheult“, sagt Amalia. Die Tränen waren in ganz Italien zu spüren: Innerhalb von 24 Stunden stiegen die Google-Suchanfragen „Antonelli“ um 1.300 %, auf Instagram folgten ihm eine halbe Million Menschen neu.
Dazwischen ein Tweet von Jannik Sinner, der in Miami spielt: „Grande Kimi, bring den Cup nach Hause!“ Antonelli antwortete mit einem Emoji – ein Faust, ein Herz, ein Formel-1-Wagen. Die Italiener erleben gerade ihr bestes Sportjahr seit 2006.
Ruhe? gibt’s nur auf dem papier
Vier Wochen ohne Grand Prix klingt nach Urlaub, doch Antonelli plant schon wieder: „Zwei Wochen daheim, aber ich fahre trotzdem Kart – wer schläft, verliert.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff fliegt extra nach Imola, um mit ihm Setup-Daten für Barcelona zu analysieren. Denn der nächste Gegner heißt George Russell, der nach dem Suzuka-Desaster mit 15 Punken Rückstand plötzlich den Jäger gibt.
Die WM-Führung ist ein Zufallsphänomen, sagt Antonelli, „aber ich nehme sie mit“. Er spricht wie ein alter Hase, obwohl er noch keine 50 Rennwagen-Starts auf dem Buckel hat. Die Frage ist nicht mehr, ob er Schumis Rekorde bricht, sondern wann er anfangen wird, sie zu ignorieren.
Um 04:37 italienischer Zeit setzt er den Flugzeugmodus. Draußen wartet ein Winter, der wie ein Frühling riecht – und ein Land, das endlich wieder einen Helden hat, der nicht von der Skibahn kommt.
