Kharlan kritisiert ioc und ipc: „ein witz für ukrainische athleten!
Die ukrainische Fechterin Olga Kharlan (35) hat mit scharfer Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) reagiert. Anlass ist der Umgang dieser Organisationen mit russischen und ukrainischen Athleten inmitten des andauernden Krieges.
Die bittere realität der paralympics
Kharlan, mehrfache olympische Medaillengewinnerin und eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Ukraine, schilderte in einem Interview mit Sport BILD ihre Fassungslosigkeit über die jüngsten Ereignisse bei den Paralympics. Die Vorstellung, die russische Hymne während einer Siegerehrung gespielt zu hören, sei für sie und viele andere ukrainische Athleten unerträglich gewesen. Sie schilderte, wie sie den Ton abdrehen musste, um sich die Szene nicht anzusehen.
Besonders empört zeigte sich Kharlan über die Aussagen des IPC-Präsidenten Andrew Parsons, der offenbar signalisiert hat, dass es ihm egal sei, was russische Athleten vor ihrer Teilnahme an den Spielen getan hätten. „Das ist gegen die Satzung der Spiele“, betonte sie.
Ein Schlag ins Gesicht für die Ukraine
Doch die Missstände gehen weiter: Kharlan berichtet, dass ukrainische Sportler aufgefordert wurden, ihre ukrainischen Flaggen wegzulegen und Teamkleidung, die die Ukraine einschließlich der Krim zeigte, verbieten ließ. „Das sehe ich als Diskriminierung von Ukrainern“, erklärt sie. Das Verbot erstreckte sich sogar auf Tätowierungen mit der ukrainischen Karte, wie sie sie selbst auf ihrem Arm trägt. „Sie zeigen mir damit, dass sie der Besetzung der ukrainischen Gebiete zustimmen.“

Die politische instrumentalisierung des sports
Kharlan erinnert an den Fall von Vladyslav Heraskevych bei den Olympischen Spielen, der wegen seines Helmes mit Bildern von getöteten Sportlern disqualifiziert wurde. „Das zerstört wirklich den Glauben an die Gerechtigkeit“, so Kharlan. Sie sieht darin ein Muster: Die ukrainischen Sportler stünden unter besonderer Beobachtung und würden für kleinste Verstöße hart bestraft.
Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry stehe vor einer großen Herausforderung. Kharlan äußert ihren Zweifel an der Fähigkeit des IOC, die Situation zu verbessern und fordert klarere Regeln, was politisch zulässig ist und was nicht. „Momentan gibt es dort zu viel Raum für Interpretation.“
Die Fechterin, die aktuell eine Auszeit nimmt, um ihr erstes Kind mit ihrem Lebensgefährten, dem italienischen Fechter Luigi Samele, zu erwarten, hält ein Comeback offen. „Vielleicht fange ich aus Neugierde noch einmal an, als Mutter, die bei Olympia antritt.“
Ein Krieg, der den Sport vergiftet
Kharlan betont, dass der Krieg in der Ukraine die Sportwelt tiefgreifend beeinflusst hat. Über 700 ukrainische Athleten sind bereits im Krieg gefallen. Die Sportinfrastruktur des Landes ist massiv beschädigt. Die Reise zu internationalen Wettkämpfen ist für ukrainische Sportler zu einer logistischen Herausforderung geworden, die oft tagelange Umwege und lange Wartezeiten an der Grenze bedeutet.
„Wir werden als die Bösen bezeichnet“, kritisiert Kharlan. Die Rückkehr russischer Athleten mit Flagge und Hymne an die Olympischen Spiele hält sie für einen Fehler, solange der Krieg andauert. „Bis dieser Krieg nicht vorbei ist, sollten sie Russland nicht zurücklassen.“
Kharlan schließt sich der Ablehnung russischer Athleten durch Leichtathletik-Weltverbands-Präsident Sebastian Coe an. Sie berichtet, dass sie sich weigert, die Hand russischer Fechterinnen zu schütteln und für ihre Ablehnung disqualifiziert wurde. Trotzdem gewann sie mit ihrem Team Gold bei Olympia 2024 – eine kleine Genugtuung.
Die Situation zeigt deutlich: Der Sport ist nicht immun gegen die politischen Realitäten. Und für die Ukraine ist er zu einer wichtigen Plattform geworden, um gehört zu werden – auch wenn dies mit hohen persönlichen und sportlichen Opfern verbunden ist.
