Kempes: der mann, der argentinien zum ersten wm-triumph führte
Vor 47 Jahren stürmte Mario Kempes Argentinien zum ersten Titel auf heimischem Boden – ein Moment, der bis heute in den Herzen der argentinischen Fans weiterlebt. Während Lionel Messi und Diego Maradona später zu nationalen Ikonen aufstiegen, war es Kempes, der den Weg ebnete und die Nation in Ekstase versetzte.
Ein athlet mit visionen: kempes' spielverständnis
Mario Alberto Kempes Chiodi, geboren in Bell Ville bei Córdoba, war mehr als nur ein Torschütze. Er war ein Athlet, der durchsetzungsfähig war, einen unbändigen Torinstinkt besaß und gleichzeitig ein bemerkenswertes Spielverständnis zeigte. Anders als viele Stürmer seiner Zeit beschränkte sich Kempes nicht auf den Strafraum; er suchte aktiv im Mittelfeld und auf den Flügeln nach Anspielstationen, eine taktische Flexibilität, die seiner Mannschaft einen entscheidenden Vorteil verschaffte. Schon in jungen Jahren fiel er auf, vergleichbar mit dem späteren Aufstieg von Maradona und Messi.
Seine Teilnahme an der WM 1974 in Deutschland, als jüngster Spieler im argentinischen Kader, deutete bereits auf sein großes Potenzial hin. Obwohl er dort torlos blieb und Argentinien in der Zwischenrunde gegen die Niederlande unterging, war es nur eine Frage der Zeit, bis Kempes seine Klasse voll entfalten würde.

Der held der heim-wm: tore, emotionen und ein legendärer sololauf
Die Heim-WM 1978 wurde zu Kempes' großer Bühne. Unter der Leitung des visionären Trainers César Luis Menotti – dessen Tod vor wenigen Jahren eine weitere Legende aus dem argentinischen Fußball verlor – blühte er auf. Nach einer zunächst unscheinbaren Vorrunde sorgte er mit zwei Doppelpacks gegen Polen und Peru für den Einzug ins Finale. Und dort, im Finale gegen die Niederlande, schrieb er Geschichte.
Der 2:1-Sieg über die Oranje-Elf ist untrennbar mit Kempes verbunden. Seine beiden Tore, darunter der legendäre Sololauf in der Verlängerung, der mit dem 2:1-Torschuss endete, machten ihn zum Helden der Nation. Der Moment, als er den Ball am Fuß hatte und sich durch die gegnerische Abwehr tanzte, ist bis heute ein ikonisches Bild im argentinischen Fußball.
Neben seinen sportlichen Leistungen erlangte Kempes auch außerhalb des Platzes Kultstatus. Seine wallende Haarmähne und sein charismatisches Auftreten machten ihn zu einem wandelnden Sex-Symbol. Seine Nationalmannschaftskarriere endete nach dieser triumphalen WM, obwohl ihm mit Maradona die Mission Titelverteidigung bei der darauffolgenden Weltmeisterschaft nicht gelingen konnte.

Valencia und darüber hinaus: ein europäisches kapitel und ein leben als experte
Auch abseits der argentinischen Nationalmannschaft hinterließ Kempes seine Spuren. Seine Zeit beim FC Valencia in Spanien, wo er lange Zeit mit dem deutschen Weltmeister Rainer Bonhof zusammenspielte, gilt als eine seiner erfolgreichsten Phasen. Er wurde dort zweimal Torschützenkönig und führte Valencia zu einer goldenen Ära, die 1980 mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger gekrönt wurde – trotz seines verschossenen Elfmeterschusses im Finale gegen Arsenal.
Seine Karriere führte ihn später noch nach Österreich, wo er für den First Vienna FC 1894, den VSE St. Pölten und den Kremser SC spielte. Heute, mit 71 Jahren, ist Mario Kempes eine feste Größe im spanischsprachigen Fernsehen, wo er als TV-Kommentator und -Experte sein tiefes Fußballwissen teilt. Er ist ein lebendiges Denkmal einer Ära, in der Argentinien zum ersten Mal die Welt jubeln ließ.
