Kehl weg, bvb in aufruhr: dortmund trennt sich mit sofortwirkung vom sportdirektor
Ein Sieg, ein Schock. Kaum hatte Borussia Dortmund den Hamburger SV mit 3:2 in die 2. Bundesliga zurückgeschickt, flatterte am Sonntag die Bombe durch die WhatsApp-Gruppen: Sebastian Kehl ist raus. Kein „bis Saisonende“, kein „im gegenseitigen Einvernehmen“ – die Trennung gilt sofort, mit aller Brutalität.
Warum jetzt? die antwort liegt in der kabine
Die offizielle Begründung klingt wie aus dem PR-Kochbuch: „Im Sommer ist der richtige Zeitpunkt für Veränderungen.“ Doch wer die letzten Wochen verfolgte, weiß: Der Sommer begann schon im Winter der Enttäuschungen. Nach dem 1:4 in Barcelona, dem 0:2 in Liverpool und dem siebten Tabellenplatz der Hinrunde brodelte es im Dortmunder Innenraum. Kehl, einstiger Kapitän, zuletzt Sportdirektor, hatte die Mannschaft nicht mehr im Griff. Spieler berichten intern von „Kommunikationsstau“ und „fehlender Konsequenz“. Die Entscheidung fiel nicht über Nacht, sie wurde nur über Nacht publik.
Lars Ricken, neuer Sport-Geschäftsführer, spricht von einem „sehr offenen Gespräch“. Was heißt: Kehl wollte weitermachen, Ricken und Vorstand Carsten Cramer sagten Nein. Die Machtfrage wurde ausgefochten, nicht verhandelt. Wer 2002 gemeinsam Deutscher Meister wurde, kann trotzdem Kontra geben. Ricken tut es, mit eisernem Händedruck.

Die zahl, die alles erklärt: 215 millionen euro
So viel Geld investierte Dortmund in Neueinkäufe seit Kehls Amtsantritt 2022. Rekord, aber ohne Ertrag. Kehl setzte auf Schlotterbeck, auf Brandt, auf Adeyemi – alles Bankdrücker statt Leitwölfe. Die erhoffte Mentalitätswende blieb aus, der Anspruch auf Titel wurde zur Farce. Champions-League-Aus in der Vorrunde, Pokal-K.o. gegen Stuttgart, Liga-Mittelmaß. Die Bilanz: 215 Millionen für Platz sieben. Keine Toleranz mehr.
Intern heißt es, Ricken plane einen „harten Schnitt“. Kein Interim, keine Flickschusterei. Ein neuer Sportdirektor soll bis April präsentiert werden, idealerweise mit internationaler Erfahrung und ohne Dortmunder Vergangenheit. Das Signal: Frische statt Folklore. Die Kandidatenliste ist kurz, der Druck groß. Denn wer im Sommer 2024 kommt, muss auch Edin Terzić überzeugen – oder dessen Nachfolger.

Kehls erbe: zwischen held und handlanger
Verdienste? Unbestritten. 327 Bundesliga-Spiele für den BVB, der Pokalsieg 2017 als Manager, der Umbruch nach dem Haaland-Verkauf. Doch die zweite Amtszeit wird sich an der Transfer-Quote messen lassen. Too much, too little. Kehl verlässt den Klub, ohne je einen Titel als Sportdirektor gewonnen zu haben. Ein Nachruf in Echtzeit.
Am Trainingsgelände in Brackel herrscht am Montag Staubsauger-Stimmung. Die Spieler quälen sich durch die Videoanalyse, keiner wagt einen Kommentar zur Kehl-Entlassung. Die Kabine schweigt, die Führung handelt. Überlebensregel in Dortmund: Wer trägt, darf auch treten. Kehl trug viel, jetzt tritt ihn der Verein raus. Die Saison ist gerettet, die Seele noch in Gefahr.
