Katharina schmid jagt im letzten ritt die 200-meter-grenze – vikersund wird zur arena ihrer träume

Die Uhr tickt. Noch zwei Wettkampfwochenenden, dann ist Schluss. Katharina Schmid, siebenfache Weltmeisterin, Trägerin der deutschen Fahne bei Olympia, steht mit 29 Jahren vor dem letzten Flug ihrer Karriere – und sie will ihn gewaltig machen. Die 200-Meter-Marke, diese magische Grenze im Skifliegen, die sie nie berührt hat, soll fallen. Vikersund ist der erste Schritt, Planica das Finale.

Die Anzeichen sind gut. Schmid war schon oft nah dran. 198,5 Meter im Probedurchgang 2023, ihre persönliche Bestmarke, liegen nur 1,5 Meter unter dem Ziel. „Ich war ein paarmal so nah dran“, sagt sie, „diesmal will ich nicht daneben landen.“ Die Zahlen sprechen für sie: 19 Weltcupsiege, 7 WM-Goldmedaillen, 2 Olympia-Silber. Aber die 200 fehlen. Und genau das ist der Grund, warum sie ihr Karriereende um ein Jahr verschob. Nicht für Geld, nicht für Medaillen – für einen Sprung.

Warum vikersund der perfekte ort für ihren letzten angriff ist

Vikersund ist kein Ort, sondern ein Statement. Die „Monsterbakken“, 240 Meter weit, ist die größte Schanze der Welt. Hier fliegen Männer 253 Meter weit, hier flog Selina Freitag als erste Deutsche über die 200-Meter-Marke. Und hier, auf norwegischem Eis, will Schmid Geschichte schreiben – ihre eigene. Die Bedingungen sind rau, der Wind unberechenbar, die Anspannung hoch. Aber genau das liebt sie. „Skifliegen war immer mein Kindheitstraum“, sagt sie. Jetzt ist er greifbar.

Die Konkurrenz schläft nicht. Nika Prevc flog 236 Meter, Yuki Ito, Sara Takanashi – sie alle haben die Marke schon hinter sich. Schmid nicht. Aber sie ist nicht gekommen, um zweiter Siegerin zu werden. Sie ist gekommen, um zu gewinnen. Und das weiß jeder, der sie kennt. Ihre Trainingsdaten sind stabil, ihre Sprungtechnik präzise, ihre Einstellung richtungsweisend: „Ich will nicht nur Abschied nehmen. Ich will mit einem Knall gehen.“

Die letzte chance kommt am 28. märz in planica

Die letzte chance kommt am 28. märz in planica

Sollte Vikersund nicht klappen, bleibt Planica. Dort gibt es erstmals einen Frauen-Wettkampf auf der Flugschanze. Die slowenische Anlage ist berühmt für ihre langen Flüge, für ihre Thermik, für ihre Gefahr. Aber auch für ihre Geschichte. Schmid wird dort nicht nur um Meter kämpfen, sondern um ein Vermächtnis. Keine deutsche Skispringerin war jemals so erfolgreich. Keine war so lange oben. Und keine ging mit einem so großen Ziel.

Die Tränen in Oslo waren nur der Anfang. Die Geschenke, die Unterschriften, die Worte – sie alle haben sie berührt, aber nicht abgelenkt. „Tut gerade weh“, sagte sie nach dem letzten Sprung, aber sie lächelte. Weil sie weiß: Das Ende ist nah, aber die Geschichte ist noch nicht geschrieben. Und wenn sie am Samstag in Vikersund abhebt, dann nicht, um zu träumen. Sondern um zu fliegen. Weit. Über 200 Meter. Und dann wird sie landen – als Legende.