Katharina schmid fliegt sich in tränen der freude: gold-legende beendet karriere mit 13. platz und 200-meter-traum
Planica – Wer sich erwartet hatte, dass Katharina Schmid sich mit einem letzten, perfekten Sprung verabschiedet, kennt die Sprung-Olympiasiegerin schlecht. Die 29-Jährige landete beim Finale der Skifliegerinnen nur auf Rang 13, doch das war so egal wie ein Schneeflocken-Treffer im Sturm. Denn Schmid hatte bereits in Vikersund die 200-Meter-Marke geknackt, ihren Planica-Abschied mit 166 und 176 Metern flog sie sich ins Herz der 10 000 Slowenen und Deutschen – und direkt auf die Schultern von Karl Geiger.
Geiger trägt, wellinger schwenkt – ein team, das sich liebt
Im Auslauf warteten nicht nur Freunde und Cousins, sondern die komplette DSV-Familie. Andreas Wellinger schwenkt die Fahne, Geiger hebt Schmid wie eine Pokal-Trophäe. Sektkurzschluss, Lederjacke tropfnass, Lächeln bis zum Jochbein. „Ich habe geheult, gelacht, gejubelt – alles gleichzeitig“, sagt sie, während ihre Mutter die Tränchen mit einem Pelz-Handschuh wegwischt. Die Bilder gehen um die Welt, weil sie zeigen: Skispringen ist kein Einzelsport, sondern ein großes Dorf, das sich selbst feiert.
Die Bilanz, die bleibt, ist nicht nur statistisch. 286 Weltcup-Starts, 19 Einzelsiege, zehn WM-Medaillen (siebenmal Gold) und zwei Silber-Olympia-Medaillen. Zahlen, die klingen, als hätte jemand mit Cheats gespielt. Doch der Trick war simpler: 15 Jahre lang jeden Tag die 40-Grad-Schanze runter, auch wenn der Wind pfeift und die Knie zittern. „Ich wollte nur wissen, wie weit ich fliegen kann“, sagt sie. Antwort: 204 Meter, ein deutscher Rekord, der so lange stehen wird, bis sich das nächste Mädchen traut, die Angst zu lieben.

Prevc dominiert, aber der tag gehört schmid
Nika Prevc schraubt ihren Saison-Sieg-Zähler auf 18, fliegt 228,5 und 221 Meter, wird gefeiert wie ein Nationalfeiertag. Doch selbst die Slowenen skandieren nach dem letzten Durchgang „Kata! Kata!“. Denn sie wissen: Ohne Schmid gäbe es keine Prevc, keine 242-Meter-Weltrekorde, keine Frauen-Flugkategorie. Schmid war die Erste, die bewies: Wir können nicht nur springen, wir können fliegen. Jetzt überlässt sie das Feld einer Generation, die sie selbst erfunden hat.
Was folgt? „Erst mal ausschlafen“, lacht sie, „dann wandern, vielleicht studieren, auf jeden Fall die Knie eisbaden.“ Sie wird die Weltcup-Wochenenden im TV verfolgen und dabei merken, dass sie nicht weinen muss, weil sie weg ist, sondern lächeln kann, weil sie dabei war. Planica verabschiedet sich mit einem Echo, das bis ins Allgäu rollt. Dort wartet ein Hof, ein Hund, ein Leben nach dem Flug. Katharina Schmid landet sanft – und bleibt für immer in der Luft der Erinnerung.
