Kanadas eishockey-team: goldrausch oder doch eine überraschung in mailand?

Ein team voller superstars – und doch unsicherheiten

Kanada geht als klarer Favorit ins Eishockey-Turnier in Mailand. Die schiere Anzahl an Top-Spielern im Kader ist beeindruckend. Für Spieler, Verantwortliche und Fans im Heimatland ist die Goldmedaille mehr als nur ein Ziel – es ist eine Erwartungshaltung, ein vermeintliches Naturgesetz. Doch der Weg zum Titel wird alles andere als einfach. Die Diskussionen um die Kadernominierung waren in Kanada intensiver, als man es hierzulande kennt.

Die umstrittene kadernominierung

Die umstrittene kadernominierung

Vergleicht man die Situation mit der deutschen Nationalmannschaft, so dreht sich die Debatte um die Aufstellung meist um die hinteren Kaderplätze. Bei Kanada hätte man den 25-Mann-Kader fast verdoppeln können. Dennoch wurden Stars wie Connor Bedard (Chicago Blackhawks), Mark Scheifele (Winnipeg Jets), Travis Konecny (Philadelphia Flyers), Morgan Geekie (Boston Bruins) und Zach Hyman (Edmonton Oilers) aussortiert. Selbst Evan Bouchard, der punktbeste Verteidiger der Liga, wurde aufgrund angeblicher defensiver Schwächen nicht berücksichtigt – eine Entscheidung, die viele kritisch sehen.

Torwartfrage: form oder verdienst?

Torwartfrage: form oder verdienst?

Im Tor ist die Situation ebenfalls spannend. Nur einer der drei Torhüter, die beim 4-Nations-Turnier dabei waren – Jordan Binnington von den St. Louis Blues – wurde wieder nominiert. Obwohl er maßgeblich am Turniersieg beteiligt war, hat Binnington in dieser Saison mit schwachen Leistungen zu kämpfen (Save Percentage von 86,4%, Gegentorschnitt von 3,65). Wird er das Vertrauen erhalten oder setzt Trainer Jon Cooper auf Logan Thompson (Washington Capitals) mit einer Save Percentage von 91,2%? Darcey Kuemper (Los Angeles Kings) stellt die routinierte Option dar.

Defense: stars und kontroversen

Defense: stars und kontroversen

Die Defense baut größtenteils auf den Kader des 4-Nations-Turniers. Um Cale Makar (Colorado Avalanche), den vermutlich komplettesten Verteidiger der Welt, gab es keine Debatte. Er soll das Powerplay orchestrieren. Neben Makar spielt sein Teamkollege Devon Toews. Die Nominierungen von Shea Theodore (Vegas Golden Knights) und Josh Morrissey (Winnipeg Jets) sind unumstritten, doch die restlichen vier Verteidiger – Travis Sanheim (Philadelphia), Thomas Harley (Dallas Stars), Colton Parayko (St. Louis Blues) und der 36-jährige Drew Doughty (Los Angeles Kings) – werfen Fragen auf. Wären Jakob Chychrun (Washington) oder Rookie-Sensation Matthew Schaefer (N.Y. Islanders) nicht bessere Optionen gewesen?

Offensive: überfluss an qualität

Offensive: überfluss an qualität

Die Offensive Kanadas liest sich wie ein Allstar-Team. Angeführt von Captain Sidney Crosby (Pittsburgh Penguins) und den NHL-Topscorern Connor McDavid und Nathan MacKinnon (Colorado), verfügen die Ahornblätter über eine unglaubliche Auswahl. Spieler wie Sam Reinhart (Florida Panthers), Mitch Marner und Mark Stone (beide Vegas Golden Knights) sowie Jungstar Macklin Celebrini (San Jose Sharks) ergänzen das Team. Auch die physische Präsenz durch Spieler wie Brad Marchand (Florida), Tom Wilson (Washington) und Sam Bennett (Florida Panthers) ist bemerkenswert.

Fazit: favorit mit fragezeichen

Fazit: favorit mit fragezeichen

Kanada ist der klare Favorit, muss aber den Erwartungen gerecht werden. Die Offensive wird jeden Gegner fordern, doch die Defensive und die Torwartposition werfen Fragen auf. Die USA sind ein ebenbürtiger Gegner, der unbedingt Kanada besiegen will. Auch Schweden könnte den Kanadiern an einem guten Tag gefährlich werden. Dennoch wäre alles andere als ein goldenes Ahornblatt am Ende eine große Überraschung.