Kälin schlägt zurück: silber an der u23-wm nach fehlerfreiem rennen
32 Sekunden fehlten zur Gold-Läuferin, aber keine Sekunde zögerte Marina Kälin. Die 23-jährige St. Moritzerin preschte in Lillehammer über 10 km klassisch los wie ein Skiclub-Express, stellte nach 1,7 km schon die Weichen für Podest und ließ der Konkurrenz nur den Blick auf ihre Ski-Spur.
Die Norwegerin Eva Ingebrigtsen fuhr ihren Heim-Vorteil gnadenlos aus, zog schon zu Beginn eine Schneise durch den dicken Pulverschnee und verwandelte die WM-Bahn in eine Ein-Mann-Show. Dahinter aber entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: Kälin spürte, dass ihre Beine nach der Lahmung des Vorjahres endlich wieder Vollgas geben, setzte sich vor der ersten Steigung fest an den Steig, sparte sich zwei Stöcke auf dem Buckel und preschte in die Abfahrt – mit 1,2 Sekunden Vorsprung auf Leonie Perry.

Die französin jagte, doch kälin ließ den bogen locker
Was danach folgte, war ein Lehrstück in Pulssouveränität. Kälin verweigerte sich dem Rhythmus-Trick der Verfolgerin, zog stattdessen ihre eigenen Züge: lange Gleitphasen, sauberes Trittverhalten, keine einzige Stock-Patinen-Fehlplatzierung. Die 30 Sekunden, die Perry am Ende fehlten, sind im Langlauf ein Abgrund – und trotzdem war Kälins Lächeln im Ziel größer als die Enttäuschung. Silber ist kein Trostpreis, sondern eine Visitenkarte für den Weltcup.
Hinten rauschte Fabienne Alder als 18. durchs Ziel, für die Pontresinerin ein solider Arbeitstag, aber keine Medaille. Das Schweizer Duo lieferte trotzdem die Statistik ab: Erstmals seit 2019 platzierten sich zwei Schweizerinnen in den Top-20 einer U23-WM. Der Langlauf-Verband atmet auf – der Nachwuchs zieht mit.
Die Goldmedaille bleibt in Norwegen, doch die Geschichte des Tages trägt Schweizer Handschrift. Kälin bewies, dass eine verkorkste Saison mit Rückenproblemen und Trainingslücken nicht das Ende bedeuten muss, sondern nur eine längere Kurve. Die nächste Kurve kommt bereits: in zwei Wochen Weltcup in Davos – diesmal vor heimischem Publikum. Wer dann hinter der Norwegerin ins Zieltauchen will, muss Kälins Tempo erst einmal mitgehen.
