Kabwit pulverisiert die liga: sechs tore in sechs spielen – luzerns neuer turbo ist 20

Oscar Kabwit spielte sich in 540 Minuten vom Bankdrücker zum Angstgegner der Super League. Der 20-jährige Kongolese schoss den FC Luzern im Februar formlich aus der Winterstarre und katapultierte sich dabei selbst ins Rampenlicht.

Die Zahlen sind derart schrill, dass sie im Stadionton überkochen: sechs Treffer, drei Vorlagen, ein Elfmeter-Drehbuch, das kein Statistiker vorausrechnete. «Ich habe nur meine Chance genommen», sagt Kabwit, während Fans ihn auf dem Velo hinterherfahren. Dabei war er im Januar noch Teil eines rot-weißen Geduldspiels, ein Projekt für 2025. Mario Frick setzte ihn gegen den FC St. Gallen erstmals von Beginn an – und seitdem ist Luzerns Angriff nicht mehr derselbe.

Die wende kam gegen st. gallen

Die wende kam gegen st. gallen

Was folgte, war kein einzelnes Highlights-Paket, sondern eine Serie, wie sie selbst erfahrene Torjäger selten liefern: linkes Spann in Aarau, Kopfball-Doppelschlag gegen YB, 25-Meter-Kracher in Basel. Die Gegner wussten, dass er kommt, konnten ihn aber nicht stoppen. «Er hat diese Ruhe im Strafraum, als hätte er einen internen Countdown», sagt Co-Trainer Goran Mitreski. Kabwits Laufwege wirken improvisiert, sind aber geometrisch exakt – ein Effekt seines Straßenfußballs in Kinshasa, wo er bis 14 mit ausgewaschenen Tennisbällen trainierte.

Intern schwappt die Euphorie bis in die U21 über. Kabwits Vertrag läuft 2026, die Ablöse wäre mit jedem Tor ein Stückchen teurer. Sportchef Remo Meyer betont, man wolle «nicht den nächsten Imeri verlieren», doch hinter den Kulissen rüstet sich die Klubleitung für ein Pokerspiel. Interesse aus Frankreich und der Bundesliga ist laut, doch Kabwit schwärmt von «meiner Familie hier im Kanton» und dem Projekt «Europa». Die Fans haben bereits ein neues Lied: «O-scar, O-scar, er macht das Tor, und wir den Rest.»

Mit 1,85 m ist Kabwit keine klassische Flügelrakete, er nutzt aber seine Hüfte wie ein Slalomskifahrer, um Verteidiger auszubremsen. Seine xG-Matrix zeigt: fast die Hälfte seiner Chancen kommt aus dem Halbraum zwischen Strafraumkante und Fünfmeterraum – eine Zone, in der Luzern zuletzt ideenlos wirkte. Sein Spiel gegen den Ball hat sich ebenfalls verbessert: von ursprünglich 0,9 Ballgewinnen pro 90 Minuten auf jetzt 2,4. Frick lobt: «Er versteht, dass Druck nach vorne beginnt.»

Am Sonntag geht es gegen den FC Zürich. Trainer Bo Henriksen hat angekündigt, Kabwit mit zwei Mann zu decken – eine Risikostrategie, die den Rest der Hintermannschaft freigibt. Luzern liegt zwei Punkte hinter Rang drei, die Europa-League-Träume leben. Kabwit selbst will den Fokustag für Tag neu. «Wenn du träumst, schläfst du. Ich will wach sein», sagt er und lächelt verschmitzt. Es klingt wie ein Motto, das diese Saison erst den Anfang findet.