Juventus-legende tencone packte aus: so rettete er buffons karriere

Fabrizio Tencone hat mehr Trophäen angefasst als mancher Spieler. Der Mann, der hinter den Kulissen von Turin die Fäden zog, spricht erstmals über die Nächte, in denen er um Buffons Rücken bangte – und warum er heute noch nachts wach wird, wenn ein Stürmer am Boden liegt.

Der tag, an dem buffon fast aufhörte

Es war der 27. Oktober 2010. Kein Fan ahnte es, doch in der Kabine der Juventus herrschte Todesstille. Buffon hielt sich die Lenden, sein Blick war leer. „Ich wusste: Wenn wir hier falsch entscheiden, ist eine Ära vorbei“, sagt Tencone heute. Die Bandscheibe des Keepers quoll wie ein aufgeplatztes Kabel. Tencone schickte ihn nach Prag, setzte ihn auf eine Plattform, stellte die Wirbelsäule auf Null. Drei Therapien täglich, sechs Monate lang. Buffon kam zurück – und hielt noch zwölf Jahre auf höchstem Niveau.

Die gleiche Methode rettete später auch Del Piero und Ferrara. Doch die wahre Magie passierte im Kopf. „Gigi kam morgens um sechs, zog das Tor hoch und fragte: ‚Doc, wie viele Hundert heute?‘ Keiner hatte mehr Weltcup-Titel zu gewinnen, aber er wollte zurück in die Schlucht.“

Warum zidane nie auf der bank schwitzte

Warum zidane nie auf der bank schwitzte

Tencone lacht, wenn er an Zidane denkt. „Er kam mit einem Lächeln, das sagte: Ich bin nicht hier, um behandelt zu werden, ich bin hier, um Kunst zu machen.“ Der Franzose streckte sich fünf Minuten, ging aufs Feld und zauberte. „Diese Sehnen waren aus Seide, nicht aus Fleisch.“

Andere brauchten mehr Pflege. Davids trug seine Brille wie ein Kampfhelm, Thuram erschien im Training im Cape. Doch der Schlaueste war Ferrara. „Ciro brach sich die Schiene, schaute mich an und flüsterte: ‚Doc, erzähl mir eine neue, dann tut’s weniger weh.‘ Drei Minuten später lagen wir beide im Matsch und ich hatte die Pointe vergessen.“

Der scudetto, der nie trocken wurde

Der scudetto, der nie trocken wurde

Keine Geschichte quält Tencone mehr als der 14. Mai 2000. Perugia. Wolkenbruch. Die Kiste mit den frischen Bandagen stand im Regen, das Tape löste sich auf. „Im Kabinenflur roch es nach Benzin und Angst“, erinnert er sich. „Moggi schrie: ‚Wir müssen spielen!‘ Ich schrie zurück: ‚Wir müssen sie zusammenhalten!‘“

Die Juve verlor, der Scudetto rutschte weg. Tencone sammelte die nassen Fahnen ein. „Zwei Dinge würde ich ändern: diesen Nachmittag – und den Bluttest von Andrea Fortunato. Der Junge hatte noch nie eine Flanke verloren, die Krankheit nahm ihn in zehn Wochen.“

Heute lehrt er an der Uni, operiert Hobbyläufer, statt Millionenknie. „Wenn nachts ein Stürmer fällt, denkt mein Herz noch immer zuerst: Kreuzband? Meniskus? Dann fällt mir auf, dass ich nur noch Zuschauer bin.“ Er zuckt mit den Schultern. „Der Rasen ist grün geblieben, nur meine Patienten sind kleiner geworden.“