Junge lawine manser pulverisiert st. moritz: ist der nächste schweizer abfahrtsstar geboren?
Sandro Manser hat die Uhren in St. Moritz zum Stillstand gebracht. 2:05 Minuten – und die Konkurrenz schaute nur noch in die Röhre. Beim zweiten Training für die Schweizer Meisterschaften jagte der 20-jährige Urner die Uhr um 1,3 Sekunden schneller als die erfahrene Spitze. Kein typo. 1,3 Sekunden in 1.800 Metern. Das ist keine Tagesform, das ist ein Statement.
Der untere streckenteil wurde zur privatvorstellung
Wer die Engiadiner Bahn kennt, weiß: Die oberen 500 Meter sind Schneidekram, aber das letzte Drittel ist reines Nervenkino. Da liegt Mansers Geheimnis. Er wählte eine Linie, die selbst die Service-Crew an der Bande erst mal aufstehen ließ – früher Einschwung, spätes Bremsen, dafür volle Dröhnung bis zum Tor. Alessio Miggiano und Arnaud Boisset, sonst keine Weicheier, sahen nur noch ein rotes Schwirren. Die beiden landeten hinter Manser, aber die Lücke auf den Sieger klaffte wie ein Bahnhofstunnel.
Franjo von Allmen und Marco Odermatt fehlen – klar, die dürfen diese Woche in der Weltcup-Wertung nichts riskieren. Doch genau diese Abwesenheit nutzt Manser, um sich in die Köpfe zu brennen. Stefan Rogentin, 31, WM-Gefahre und sonst Selbstläufer, fand sich auf Rang acht wieder. Sein Kommentar: „Wenn der Junge morgen nochmal so runterkommt, brauche ich zwei Pulver in der zweiten Laufzeit, nicht nur eins.“

Zeitstafelteppich: dienstag zweiter, donnerstag erster – die kurve zeigt nach oben
Bereits am Dienstag hatte Manser hinter Fabian Spring den zweiten Rang geklärt. Viele winkten ab – ein Glückstag, mehr nicht. Jetzt das Double. Die Wahrscheinlichkeit für zwei Glückstage in Folage? Statistisch verschwindend. Also bleibt die Spur: Der Mann ist einfach schnell. Und St. Moritz liegt ihm wie sein eigener Skistock.
Die Frage ist nur: Schafft er die Übersetzung ins Rennen? Trainingszeiten sind Schaufenster, Meisterschaften sind krasse Wirklichkeit. Keine 30-Sekunden-Pausen zwischen den Fahrern, dafür Druck, TV-Kameras und ein Kribbeln, das selbst Routiniers die Kehle zudrückt. Manser selbst quittierte mit einem Schulterzucken: „Ich fahre meine Linie, der Rest folgt.“ Klingt wie PR – war aber ohne Lächeln gesagt. Der Typ meint es ernst.
Die Verbandstrainer haben bereits grünes Licht gegeben: Manser startet mit Startnummer 15, mitten ins Geschehen, wenn die Piste noch nicht zerkratzt ist. Eine Gunst, die man sonst nur Etablierten zubilligt. Intern heißt es, die Ski seien dieses Jahr ein Tick weicher abgestimmt – perfekt für die sinkenden Temperaturen am Wochenende. Zufall? Gibt es nicht im Hochleistungssport.
Fazit: Wenn Manser morgen um 11:30 Uhr erneut die Zielampel als Erster passiert, schreibt er sich nicht nur in die Siegerliste, sondern stößt die Tür zum Weltcup weit auf. Die Schweiz sucht den nächsten Abfahrtsprimus – vielleicht hat er sich gerade eben angemeldet.
