Junge dtb-frauen wollen in portugal direkt zurück in die weltgruppe

Oeiras – Kein Halten mehr. Nach dem historischen Abstieg schickt der Deutsche Tennis Bund seine U23-Elite ins Zwangsrennen. Ella Seidel, 21, Noma Noha Akugue, 22, und Tessa Brockmann, 20, müssen in der nächsten 72 Stunden drei Matches bestreiten – sonst droht der weitere Fall in die bedeutungslose Regionalgruppe II.

Modus frisst energie

Der neue Kapitän Torben Beltz hat die Rechnung offen auf dem Tisch: „Wir müssen zweimal gewinnen, dann am Donnerstag noch einmal. Die Mädchen kriegen kaum Luft.“ Dabei verzichtet er auf jede Schönfärberei. Eva Lys fällt kurzfristig aus, Laura Siegemund und Tatjana Maria lehnten ab. Stattdessen reist Nastasja Schunk mit, und für Eva Bennemann, 18, beginnt die internationale Karriere mit einem Knock-out-Turnier.

Portugal ist kein Zufallsgegner. Die Gastgeber laufen Heimspiel-Stimmung auf dem Central Court, 2 800 Plätze, alles ausverkauft. Beltz: „Die Fans pfeifen jeden Aufschlag mit. Das kann die Jungen zerlegen oder sie reifen lassen.“

Die Zahlen sprechen für sich: Seidel verlor in Bogotá vor zwei Wochen Runde eins, Bennemann hat keine Einzel-Erfahrung auf Sand, Noha Akugue kommt mit 0:6, 0:6 aus der ITF-Woche zuvor. Beltz nimmt es in Kauf. „Jugend heißt: Beine da, Köpfe frei. Die Alten denken an den Muskelkater, die Jungen nicht.“

Gruppensieg oder nichts

Gruppensieg oder nichts

Der DTB war 2025 erstmals seit 1963 abgestiegen. Die Play-offs im Oktober sind das letzte Aufspringbrett. Beltz kassiert bei einem Scheitern wohl den zweiten Rückschlag innerhalb eines Jahres – und die Generation Seidel würde ein weiteres Jahr in der zweiten Garnitur versenken.

Auf dem Trainingsplatz in Jamor steht seit Freitag ein mobiles Kraftkabinett. Sportdirektorin Barbara Rittner schaltete zusätzliche Physiotherapeuten frei. „Wir wissen, dass wir mit Feuer spielen“, sagt sie. Die Spielerinnen durften in der Vorbereitung nur jeden zweiten Tag Vollgas geben – mehr Belastung hält das medizinische Team für zu riskant.

Die Konkurrenz schaut bereits nach vorn. Schwedens Captain Daniel Berta rechnet laut Expressen mit einem leichten Vorteil: „Deutschland hat den Druck. Wir spielen frei.“ Dänemark wiederum setzt auf Clara Tauson, Weltranglisten-Nummer 29 – ein Monster-Block für die deutsche Abwehr.

Beltz bleibt hart. Er zitiert Boris Becker von 1987: „Wenn du jung bist, kennst du keine Angst.“ Dann packt er die Zahlen aus: Seidel besitzt die beste Sand-Quote des Teams – 55 % gewonnene Matches. Das reicht, wenn sie zweimal aufschlägt. Aber nur dann.

Am Dienstag um 15 Uhr deutscher Zeit geht es los. Die Siegerin der Gruppe erhält ein Ticket für die Play-offs im Oktober – und damit das letzte Ticket zurück in die Weltgruppe. Verliert Deutschland, bleibt nur die Trostpreis-Runde. Und ein Jahr lang das Gefühl, in der zweiten Liga festzustecken.

Die Devise im Lager ist klar: Siegen, sofort. Wer zögert, fliegt. Wer jung ist, hat die Beine. Ob das reicht, entscheidet sich in den nächsten Tagen – und zwar auf dem zentralen Court, vor 2 800 lauten Portugiesen und ohne Netz, das einen auffängt.