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Jugendfußball-skandal: gewalt und demütigungen in brandenburg

Ein erschütternder Bericht aus Brandenburg wirft ein düsteres Licht auf den Jugendfußball. Ein Vater deckt systematischen Missbrauch und Gewalt innerhalb eines großen Vereins auf – ein Fall, der Fragen nach dem Schutz von Kindern im Sport aufwirft und die Verantwortlichen vor eine Zäsur stellt.

Der albtraum eines vaters

Marcus Müller, ein Polizeibeamter, hat den Stein ins Rollen gebracht. Sein 17-jähriger Sohn, einst vielversprechender Fußballer in der Jugend-Regionalliga, hat abrupt seine Karriere beendet. Der Grund: Erlebnisse, die Müller als „physische Gewalt als Sanktionen im Training“, „Machtmissbrauch und Nötigung“ beschreibt. Die Beschwerden, akribisch dokumentiert und an diverse Stellen adressiert, zeichnen ein beunruhigendes Bild von einem Trainingsbetrieb, der aus der Kontrolle geraten ist.

„Tunnel“ und eselssprünge: die fragwürdigen methoden

„Tunnel“ und eselssprünge: die fragwürdigen methoden

Die Vorwürfe sind erschreckend detailliert. So sollen Spieler nach Niederlagen durch ein Spalier von Mitspielern laufen müssen, die auf sie einschlugen – der sogenannte „Tunnel“. Ein Vorfall im November 2025, bei dem ein Spieler seine Zunge verschluckte, verdeutlicht die Eskalation der Situation. „Die Situation war akut lebensbedrohlich“, so Müller. Doch die Liste der fragwürdigen Trainingsmethoden reicht weiter: „Arschbolzen“, bei denen Spieler mit Bällen abgeschossen wurden, und demütigende Übungen wie Eselssprünge im Vierfüßlergang. Die Spieler berichten von einem Klima der Angst und ständiger Angst vor dem Zorn der Trainer.

Der verein schweigt – die verbände zögern

Der verein schweigt – die verbände zögern

Der Verein, dessen Name bislang un genannt bleiben soll, reagiert mit Schweigen. Der Vorsitzende betont lediglich, man habe den Fall „aufgearbeitet“ und versuche, den Ruf des Vereins zu schützen. Die Reaktion des Fußball-Landesverbands Brandenburg lässt ebenfalls zu wünschen übrig: Eine Verwarnung für das Trainerteam – Gelb statt Rot. Ein schwacher Trost für die betroffenen Jugendlichen und ein Zeichen dafür, dass der Schutz der Kinder offenbar hinter sportlichen Erfolgen zurücktritt.

Ein muster wiederholt sich?

Ein muster wiederholt sich?

Doch der Fall ist nicht isoliert. Bei weiterer Recherche kristallisiert sich heraus, dass der Cheftrainer des Teams bereits vor sechs Jahren in Berlin auffällig wurde. Ein minderjähriger Spieler soll damals eine sexualisierte Nachricht erhalten haben. Das Verfahren wurde eingestellt, doch der Trainer konnte seine Tätigkeit fortsetzen – in Brandenburg. Ein erschreckender Beweis dafür, dass Warnsignale ignoriert wurden und ein Täter unbehelligt weiterarbeiten konnte.

Die Gründung des Zentrums für Safe Sport durch Bund und Länder ist ein wichtiger Schritt, doch die Geschehnisse in Brandenburg zeigen, dass die Umsetzung noch viel Arbeit erfordert. Es braucht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Missbrauch und Gewalt im Sport – und eine konsequente Verfolgung der Verantwortlichen. Die Geschichten der betroffenen Jugendlichen müssen gehört werden, und ihre psychischen Wunden müssen geheilt werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich solche Tragödien wiederholen.