Jordaniens wm-debüt: kann sellamis taktik überraschen?
Die Fußballwelt hält den Atem an: Jordanien, eine Nation, die bisher nur am Rande der großen internationalen Bühne stand, ist tatsächlich für die WM 2026 qualifiziert. Ein historischer Moment für den arabischen Fußball, der aber auch Fragen aufwirft: Kann das Team von Jamal Sellami in einer vermeintlich Todesgruppe bestehen?
Die qualifikation: ein beeindruckender weg
Der Weg ins WM-Turnier war für die Jordanier alles andere als ein Selbstläufer. Sie belegten hinter Südkorea den zweiten Platz in ihrer Gruppe, wobei sie Irak, Oman, Palästina und Kuwait hinter sich ließen. Besonders bemerkenswert ist das historische Ergebnis von 32 Toren in der Qualifikation – das höchste in der Geschichte Jordaniens. Dass sie zudem als eines von nur drei asiatischen Teams ohne Niederlage auswärts punkteten (neben Australien und Südkorea), unterstreicht ihre beeindruckende Konstanz.
Doch die Stärke Jordaniens liegt nicht nur in der Torquote, sondern auch in der taktischen Disziplin. Sellami hat ein System geformt, das auf einer extrem kompakten Defensive basiert, meist in einem 3-4-2-1 oder sogar einem 5-4-1. Die Abwehrreihen stehen eng beieinander, die Räume werden eng gemacht und die Gegner zur Geduldsprobe gezwungen. Diese Taktik zermürbt die Angreifer und nimmt ihnen die Leichtigkeit im Spiel.
Transitionen als Trumpf Was Sellamis Taktik wirklich auszeichnet, sind die blitzschnellen Gegenangriffe. Sobald der Ball gewonnen ist, starten die Jordanier vertikalen Spiel, mit wenigen Ballkontakten, und suchen sofort die Räume, die Al-Tamari bietet. Diese Geschwindigkeit und Direktheit können für jeden Gegner eine gefährliche Waffe sein.

Die schattenseite: der ausfall eines schlüsselspielers
Trotz der taktischen Stärke gibt es einen herben Verlust: Yazan Al-Naimat, der dritte aktivste Spieler der Qualifikation mit acht Toren und sechs Assists, fällt aufgrund einer Knieverletzung aus. Sein Fehlen wird eine Lücke reißen, die schwer zu schließen ist. Die Offensive muss sich neu finden, um die Abwehrarbeit zu unterstützen.
Mousa Al-Tamari, Kapitän und Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, wird nun noch stärker in den Fokus rücken. Der Spieler von Rennes ist nicht nur ein Torjäger (sieben Tore, zwei Assists in der Qualifikation), sondern auch der strategische Kopf des Teams. Seine Fähigkeit, das Spiel zu lesen und die Angriffe einzuleiten, ist unersetzlich. Er muss die Rolle des Anführers und des kreativen Auslöse übernehmen – und das unter enormem Druck.
Die Gruppengegner sind alles andere als einfach: Argentinien, die amtierenden Weltmeister, Österreich und Algerien. Ein Kraftakt für Jordanien, aber eben auch eine Chance, Geschichte zu schreiben und die Welt im Sturm zu erobern. Die Welt der Fußballfans wird es mit Spannung verfolgen.
Die Jordaner haben bewiesen, dass sie zu den besten Mannschaften Asiens gehören. Ob sie diesen Erfolg gegen die europäische und südamerikanische Elite wiederholen können, bleibt abzuwarten. Eine Sache ist jedoch klar: Jordanien wird nicht kampflos untergehen.
