Jokic schreibt geschichte – und redet sie klein
Phoenix – 48 Minuten Basketball, ein Floater, der die Sonne versenkt, und dann noch ein Satz, der alles erklärt. Nikola Jokic trifft mit 23 Punkten, 17 Rebounds und 17 Assists die Nuggets zum 125:123-Sieg gegen die Suns, erledigt sein fünftschnellstes Triple-Double der NBA-Historie und sagt hinterher: „Die Jungs haben ihre Würfe getroffen.“
Die zahl, die alles sagt: 17-mal mindestens 15-15-15
Kein Spieler vor ihm kam jemals so oft auf diese Kombination. Die Liga hat 77 Jahre auf dem Buckel, Kareem, Jordan, LeBron – alle stehen nun hinter einem Serben, der in Turnschuhen aussieht, als hätte er sie aus dem Schrank seines Vaters gekramt. Das Triple-Double stand bereits Mitte des dritten Viertels fest, als man in Phoenix gerade erst die Nachos aufgekratzt hatte. Denver lag zu dem Zeitpunkt bereits mit 19 Punkten vorne, schlitterte dann aber in ein Finale, in dem Jokic die letzte Entscheidung trifft: Float aus sieben Metern, 5,2 Sekunden auf der Uhr, Devin Booker kann nur noch foulen – nichts zu holen.
Was folgt, ist keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein Meisterkurs in Bescheidenheit. Jokic redet sich selbst aus der Hauptrolle, schiebt den Dank an Kentavious Caldwell-Pope, der 3 von 4 jenseits der Bögen traf, an Michael Porter Jr., der zwei entscheidende Offensivrebounds klaute. Trainer David Adelman kontert unverzüglich: „Er ist der beste Spieler der Welt, Punkt. Er macht jeden besser, ohne je laut zu werden.“

Warum dieser sieg denver die playoff-türen öffnet
Die Nuggets springen auf 44-19, halten sich damit die Spatenzug-Fahrt zum ersten Saatplatz im Westen offen. Die Suns, mit Kevin Durant, Booker und Bradley Beal, rutschen auf Rang acht – und plötzlich schielt Phoenix auf die Play-In-Hölle. Die Bilanz gegen Top-4-Teams fällt auf 4-12, die Defense kassiert 115 Punkte pro Spiel, selbst wenn Jokic mal nur 23 schreibt. Die Lehrtstunde kommt ausgerechnet vom Slowenen, der in der Arizona-Wüste die nächste Wasserstelle markiert.
Denver spielte ohne Jamal Murray, der wegen einer Knöchelblessur pausierte – und merkte es nicht. Denn Jokic verlagert die Schwäche, indem er den Ball so lange berührt, bis jeder Mitspieler im Rhythmus ist. Die 17 Assists kamen an acht verschiedenen Empfängern, kein anderer Center ist in dieser Saison auch nur annähernd so oft über die 15er-Marke gestolpert.
Die MVP-Debatte? Sie ist längst keine mehr. Shai Gilgeous-Alexander mag die besseren Zahlen in der Verteidigung haben, Luka Doncic liefert spektakuläre Nächte in Dallas. Aber wenn es um den Mann geht, der eine Franchise komplett neu erfindet, bleibt nur ein Name übrig. Und wenn es nach Jokic selbst geht, war’s „einfach ein Spiel“.
Die Nuggets reisen weiter nach Sacramento, dann nach L.A. – und wissen, dass sie auf dem Weg zur Titelverteidigung nichts mehr zu verlieren haben, solange ihr Center sich die Geschichte selbst erzählt und sie danach sofort wieder ausradiert. Phoenix hingegen muss sich fragen, ob eine Big-Three reicht, wenn der Gegner eine Big-One spielt – und die gerade erst ihren Zenit erreicht hat.
