Jiménez schlägt im aztekenstadion ein – und seine narbe glüht mit

Die 66. Minute im Aztekenstadion, 2:0 für Mexiko, und Raúl Jiménez wirft die Arme gen Himmel. Hunderttausend Kehlen kreischen, aber seine Gedanken sind woanders: in einer Not-OP im November 2020, als Bohrer und Skalpelle um Millimeter seines Gehirns strichen.

Der kopfstoß, der fast alles beendete

David Luiz raste von der Seite, die Schädel knallten zusammen wie zwei Billardkugeln. Jiménez sackte sofort, Bewusstlosigkeit, Trage, Blaulicht. Diagnose: Schädelfraktur mit Einblutung. Die Ärzte mussten die Frakturplatte einsetzen, bevor das Hirn weiter nach innen gedrückt wurde. Damals hieß es: „Seine Laufbahn ist wohl vorbei.“

Neun Monate später lief er schon wieder auf. Das Stirnband wurde zur Marke, das dünne Polster über der Narbe zum Schutz. Die Premier League schaute skeptisch, die Mediziner hielten die Luft an, doch Jiménez lachte bloß: „Ich habe das erste Duell gewonnen, das gegen die Angst.“

Tor nummer 46 – und die 52 von chicharito rücken näher

Tor nummer 46 – und die 52 von chicharito rücken näher

Gegen Costa Rica stieg er abermals per Kopf ein, diesmal zum 2:0, diesmal im Eröffnungsspiel der WM, diesmal vor seinem eigenen Publikum. Die 46. Länderspieltreffer, nur sechs weniger als der ewige Rekord von Javier Hernández. Mit 129 Einsätzen steht er bereits neun auf der All-Time-Liste Mexikos. Vierte WM-Teilnahme, erster Feiertag im Aztekenstadion, erster Treffer im Eröffnungsspiel – das Drehbuch schreibt sich selbst.

Trainer Javier Aguirre sagte nur: „Er hat mir vor dem Turnier verraten, dies sei seine WM. Ich schätze, er hatte recht.“

Die Arena bebte, aber Jiménez schwieg. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, drehte sich zu den Kameras und tippte sich ans Stirnband. Die Narbe blitzte kurz, dann war sie wieder unter Stoff verschwunden. Ein Wink an alle, die je dachten, sein Kopfball sei Geschichte.