Jena stolpert über eilenburg: titel-rennen kippt, uluc zieht notbremse
Die Nacht von Eilenburg wird Carl Zeiss Jena noch lange wachhalten. Die 1:2-Pleite beim Tabellenvorletzten war kein Ausrutscher – sie war ein System-Check, der die Schwächen des Tabellenzweiten blitzartig ans Licht hob. Plötzlich sind es acht Punkte Rückstand auf Lok Leipzig, und die Meisterschaft rutscht aus den Fingern.
Keine tore, kein plan: uluc zerlegt seine eigene mannschaft
Volkan Uluc schlug nach dem Abpfiff mit der Faust auf das Interview-Mikro: „So dürfen wir uns nicht präsentieren.“ Die Statistik dahinter: vier hundertprozentige Chancen in der ersten Halbzeit, null Tore. Kevin Lankford traf zweimal das Aluminium, Amar Suljic scheiterte aus fünf Metern am glänzend reagierenden Eilenburger Keeper. Die Thüringer spielten sich schwindelig – aber eben nicht ins Tor.
Die Gegentreffer dagegen wirkten wie aus dem Lehrbuch der Abwehr-Panne. Beide resultierten aus halbherzigen Flanken, bei denen Jena im Strafraum 5:2 überzählig stand – und trotzdem den zweiten Ball nicht klärte. „Raum schießt keine Tore“, zitierte Uluc einen alten Bundesliga-Spruch, „aber offensichtlich schießt auch kein Mannschaftsgeist, wenn keiner klärt.“

Altglienicke wird zur schicksals-partie
Schon am Dienstag (19 Uhr, Livestream Sport IM OSTEN) muss die Reaktion folgen, sonst droht ein Vorsprung von zwei Spiele und bis zu elf Punkten. Die VSG Altglienicke reist mit nur einer Niederlage aus den letzten acht Partien – und mit dem Erinnerungs-Foto vom 3:0 im Hinspiel im Gepäck. „Die Jungs wissen, dass sie sich keinen zweiten Fehler leisten können“, sagt Kapitän Nils Butzen, dessen Abstauber-Tor in Eilenburg nur noch bitteres Finale-Feeling hinterließ.
Lok Leipzig hat indes Mittwoch in Meuselwitz die Chance, die Kluft auf maximal neun Punkte zu vergrößern – bei einem Spiel mehr. Das direkte Duell am Sonntag in der Jenarena rückt ins Blickfeld wie ein Endspiel vorzeitig. „Wenn wir da mit mehr als sechs Punkten Rückstand reingehen, ist die Meisterschaft so gut wie gelaufen“, sagt ein Vereinsinterner. Die Zahlen sind gnadenlos: In der Regionalliga-Nordost holte kein Zweiter mehr auf, wenn der Rückstand nach dem 28. Spieltag größer als fünf Zähler war.

Der abstiegskampf wird jena noch nerven
Es ist die Ironie der Liga: Während Jena nach oben schielt, könnten die vermeintlichen Kellerkinder plötzlich den Titelfavoriten noch einmal treffen. Der FC Eilenburg hat nach dem Sieg nur noch drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz – und empfängt am 32. Spieltag ausgerechnet Lok Leipzig. „Dann wackelt vielleicht auch der Spitzenreiter“, hofft Eilenburgs Trainer André Meyer. Für Jena heißt es: selbst schuld. Wer Chancen wie in Eilenburg liegen lässt, darf sich später nicht über Gleichstand oder Torverhältnis beschweren.
Uluc hat intern bereits Konsequenzen angekündigt: Eine extra Einheit Verteidigen in engem Raum am Montagmorgen, danach Video-Analyse bis spätnachts. „Wir haben elf Finalspiele“, predigt er. Das erste steht heute an – sonst wird aus dem Traum vom Aufstieg eine weitere Regionalliga-Saison ohne Happy End.
