Japan bereit für überraschung? trainer enthüllt geheimnis!
Die Fußballwelt richtet ihre Aufmerksamkeit auf Japan, und das aus gutem Grund. Der deutsche Trainer Bartosch Gaul, frisch von Sanfrecce Hiroshima, erklärt im exklusiven Gespräch mit Sport BILD, warum das Land eine ernstzunehmende Rolle bei der bevorstehenden WM spielen könnte – und warum die Experten sich irren.
Ein land im fußballfieber
Baseball mag zwar die Nummer Eins in Japan sein, aber der Fußball gewinnt rasant an Popularität. Gaul beschreibt eine Atmosphäre der Vorfreude, die im ganzen Land spürbar ist. Überall werden Trikots verkauft, besonders das bunte Auswärtsshirt ist ein Renner. Für den Verein von Gaul ist die WM-Teilnahme von Torwart Keisuke Okako ein besonderes Highlight, da er zu den wenigen Spielern der J-League im Nationalkader gehört.
Was niemand erwartet: Japan hat nur eines der letzten 13 Länderspiele verloren und dabei sogar England und Brasilien bezwungen. Gaul hält es für möglich, dass Japan eine positive Überraschung liefern wird. Er betont die technische Qualität der japanischen Spieler, die oft besser ausgebildet ist als in Deutschland. Viele sind beidfüßig und verfügen über eine beeindruckende Mentalität – sie sind extrem zuverlässig, wenn auch manchmal etwas zu akribisch in der Umsetzung von Anweisungen.

Professionelle strukturen und eine einzigartige fankultur
Die Vereine in der J-League sind professionell organisiert, vergleichbar mit der Bundesliga. Die Strukturen sind modern, mit großen Funktionsteam, spezialisierten Pflege- und Athletikbereichen sowie professioneller Vermarktung. Was Gaul besonders beeindruckt, ist die Leidenschaft der Fans. Die Stadien sind modern und voll, die Stimmung ist durchorganisiert – alle tragen die Vereinsfarben und singen 90 Minuten lang. Die J-League passt ihren Spielkalender an den europäischen Rhythmus an, um den Transfer von Spielern zu erleichtern und die Nähe zum europäischen Markt zu erhöhen.
Die Auswahl des Trainers erfolgte durch eine detaillierte Datenanalyse, bei der Gaul offenbar die besten Qualifikationen aufwies. Gaul selbst beschreibt den Schritt als „abenteuerlustig“ und eine Chance, aus der Komfortzone auszubrechen. Er lobt die japanische Kultur, obwohl die Anpassung an die lokale Mentalität eine Herausforderung darstellt. So muss man Veränderungen schrittweise angehen und den jungen Spielern den nötigen Respekt entgegenbringen.
Ein bewegtes Land: Die Stadt Hiroshima, in der Gaul tätig ist, trägt eine tragische Geschichte des Atombombenabwurfs. Der Friedenspark erinnert an die Ereignisse, und der Verein hat sein Stadion bewusst in der Nähe des Abwurfpunktes bauen lassen, um die Erinnerung wachzuhalten.
Gaul erinnert sich an die Herausforderungen in Malaysia, wo er im Achtelfinale der asiatischen Champions League spielte. Die extremen Wetterbedingungen und die provokanten Aktionen der Fans der gegnerischen Mannschaft waren eine ungewohnte Erfahrung. Er schätzt die Erfahrung jedoch und betrachtet sie als Bereicherung für seine Arbeit.
Seine Zeit unter Norbert Elgert beim FC Schalke 04, wo er viel über die individuelle Förderung von Talenten gelernt hat, hat ihn nachhaltig geprägt. Und obwohl er ein überzeugter Schalke-Fan ist, ist er nun voll und ganz auf seine Aufgabe in Japan konzentriert.
Ein Blick in die Zukunft: Lukas Podolski, ehemaliger Mitspieler von Gaul in Polen, plant seine Rückkehr nach Zabrze. Gaul äußert sich positiv über Podolskis Fähigkeiten und ist davon überzeugt, dass er dem Verein guttun wird, besonders angesichts der früheren Probleme in der Vereinsführung.
