Jaganjac raus: löwen verlieren abwehrchef vor europa-krimi

Ein Knall im Mannheimer Training zieht den Rhein-Neckar Löwen den Zahn. Halil Jaganjac, gerade wieder auf dem Parkett angekommen, wird am Dienstag vom Glück verlassen – Mittelfußbruch, Saisonaus. Die Verletzung kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn mit sieben Spieltagen sind die Löwen mitten im Kampf um die Europacup-Plätze.

Die nacht, in der jaganjacs fuß nachgab

Ein harmloser Trainingssprint, nichts Besonderes für den 2-Meter-Rückraumhünen. Doch als der Kroate auf dem harten Hallenboden aufsetzt, knallt es laut genug, dass Teamkollegen zusammenzucken. Sofort Schmerzen, sofort klar: Das war nichts Geringeres. Die Heidelberg-Untersuchung bringt die Gewissheit – Mittelfußbruch. Am selben Abend noch wird operiert, der Eingriff verläuft komplikationslos, doch die Saison ist gelaufen.

19 Liga-Einsätze, vier Treffer, unzählige Blockaden – diese Zahlen machen deutlich, wie viel Substanz mit Jaganjac wegbricht. Cheftrainer Maik Machulla spricht von „einem Schlag ins Gesicht“, weil der Abwehrspezialist „endlich wieder die alte Klasse“ zeigte. Der Herbst war schon einmal verloren, kleine Blessuren und eine Virusinfekt hatten zuletzt gebremst. Jetzt der nächste Reset.

Wer füllt die 60 minuten lücke?

Wer füllt die 60 minuten lücke?

Am Sonntag um 18 Uhr (Dyn) empfangen die Löwen den Bergischen HC – ohne Jaganjac, aber mit Pflicht auf Punktgewinn. Machulla muss improvisieren: Julian Köster rückt tiefer, Uwe Gensheimer erhält zusätzliche Defensiv-Aufgaben, eventuell bekommt Youngster Lukas Krichel mehr Spielzeit. Die personelle Meisterlösung steht noch in den Sternen, klar ist nur: Ohne den kroatischen Abräumer verliert die Abwehr 15 Procent ihrer physischen Präsenz.

Sportlicher Leiter Gensheimer nennt den Verlust „ärgerlich doppelt“, weil Jaganjac nach seiner Herbst-Pause „mit noch größerem Einsatz“ zurückkam. Die interne Statistik bestätigt es: In den Partien mit Jaganjac kassierten die Löwen durchschnittlich 2,3 Tore weniger als in denen ohne ihn. Diese Differenz kann zwischen Platz sieben und neun liegen – also zwischen Europa und Winterpause ohne internationale Perspektive.

Die Mediziner vermelden „mehrere Monate“ Pause, ein konkretes Datum wagt niemand. Die Horror-Vergleichszahl lautet: Bei ähnlichen Brüchen in der Handball-Bundesliga beträgt die Ausfallzeit zwischen 14 und 18 Wochen. Sollte sich die Heilung verzögern, wäre Jaganjac auch für die mögliche Europacup-Quali im August nicht einsatzbereit. Die Planung für die neue Spielzeit beginnt damit schon jetzt mit einem dicken Fragezeichen.

Für den Spieler selbst ist der Schock groß. Auf Instagram postet er ein Foto aus dem Krankenzimmer – Schiene, Daumen hoch, dennoch sichtbar mitgenommen. „Comeback stärker als je zuvor“, schreibt er. Die Botschaft wirkt wie ein Schwur, doch in der Realität steht vor ihm erst einmal Monate der Reha. Der Verein stellt sofort um: Zusätzliche Physiotherapeuten, individuelles Kraftprogramm, mentales Coaching. Alles schon erprobt, alles dennoch ein Neuanfang.

Die Liga tickt weiter. Gegen Bergische HC mündet die Tragödie in eine rein sportliche Rechnung: Sieg nötig, Punktabstand nach oben nur zwei Zähler. Die Löwen haben 21 Punkte auf dem Konto, der Sechste SC Magdeburg bereits 23. Ein Ausrutscher und die Europa-Träume platzen. Die Verantwortlichen sprechen lieber von „Playoff-Ziel“ als von Europacup, doch intern ist klar: Ohne Jaganjac wird das Unterfangen noch schwieriger.

Die ironische Fußnote: Der Vertrag des Kroaten läuft 2025 aus. Jede Woche Pause reduziert das Bewertungskonto. Sportdirektoren gucken genauer hin, Sponsoren lieber weg. Ein langes Leiden also auf mehreren Ebenen. Mal wieder beweist sich die alte Weisheit im Profisport: Verletzungen treffen nicht nur den Körper, sondern auch die Karriereluft, die ein Spieler gerade schnappt. Und diese war bei Jaganjac endlich wieder spürbar.