Ivanisevic: vom "herr der asse" zum wimbledon-märchenhelden
Vor 25 Jahren vollbrachte Goran Ivanisevic das Unmögliche: Er krönte sich in Wimbledon zum Champion, nachdem er jahrelang als ewiger Zweiter galt. Ein Triumph, der nicht nur Tennisgeschichte schrieb, sondern auch den Glauben an Wunder zurückbrachte.
Ein leben voller dramen und verpasster chancen
Die Karriere des Kroaten war stets von Höhen und Tiefen geprägt. Als Teenager sorgte Ivanisevic für Furore, schaltete bei den French Open 1990 Boris Becker aus und erreichte Wimbledon-Halbfinale. Doch das große Glück schien stets außer Reichweite. Vier Finalteilnahmen – 1992 gegen Andre Agassi, 1994 gegen Pete Sampras, 1998 und 1999 erneut gegen Sampras – endeten allesamt mit einer Enttäuschung. Der unbändige Aufschlag, der einer Waffe glich, reichte nicht aus, um den erhofften Titel zu ergreifen. Seine Schulterprobleme nagten an ihm, und die Welt schien ihm abzusprechen, jemals den Durchbruch zu schaffen.
Der Tiefpunkt kam 2000 bei den US Open, als Ivanisevic in nur 81 Minuten sang- und klanglos in der ersten Runde ausschied. Er selbst verkündete: „Mein Spiel ist reif fürs Museum.“ Die Batterien waren leer, die Hoffnung schwand.

Die sensation von 2001: ein märchen wird wahr
Doch das Tennisfate hatte andere Pläne. Im Sommer 2001, gerutscht auf Platz 125 der Weltrangliste, erhielt Ivanisevic dank einer Wildcard eine weitere Chance in Wimbledon. Und wie er sie nutzte! Er kämpfte sich Match um Match durch das Turnier, eliminierte Stars wie Carlos Moya und Andy Roddick. Das Halbfinale gegen Tim Henman zog sich aufgrund des Regens über drei Tage, doch Ivanisevic behielt die Nerven und setzte sich durch.
Das Finale gegen Patrick Rafter entwickelte sich zu einem weiteren Krimi über fünf Sätze. Ivanisevic vergab drei Matchbälle, doch beim vierten nahm er all seinen Mut zusammen, servierte mit zweiten Aufschlag in die Vorhand seines Gegners und stürmte ans Netz. Der Return von Rafter blieb hängen – und der Traum wurde wahr. 6:3, 3:6, 6:3, 2:6, 9:7 lautete das Ergebnis. Goran Ivanisevic, der Mann, der so oft am Rande des Scheiterns stand, war Wimbledon-Sieger.
„Ich war mein Leben lang der Zweite“, sagte ein überwältigter Ivanisevic nach dem Match. „Jetzt bin ich Wimbledonsieger.“ Ein Triumph, der nicht nur ihn, sondern auch seine Fans in Kroatien und weltweit in Ekstase versetzte. Ein Triumph, der bewies, dass selbst die größten Widrigkeiten überwunden werden können.
Die Geschichte von Goran Ivanisevic ist ein Zeugnis des unbändigen Willens und der unerschütterlichen Hoffnung. Ein Märchen, das in Wimbledon Wirklichkeit wurde und bis heute in den Annalen des Sports als einer der emotionalsten Momente in Erinnerung bleibt. Und wer hätte gedacht, dass er später als Trainer noch neun Grand-Slam-Titel mit Novak Djokovic feiern würde? Ein Leben voller Wendungen, das zeigt: Im Sport ist alles möglich.
