Ivan kharchenkov jagt den mythos indianapolis: 109 punkte, ein deutscher und ein herz
San José war kein Spaziergang, es war eine Demonstration. 109:88 gegen Arkansas, und mitten drin der 19-jährige Ivan Kharchenkov, der deutsche U18-Europameister, der jetzt die US-College-Meisterschaft träumen darf. 15 Punkte, fünf Assists, drei Rebounds – Zahlen, die klingen, als hätte jemand nebenbei Geschichte geschrieben.
Arizona zieht in die elite eight ein – und kharchenkov mit
Die Wildcats gelten seit Wochen als Titelkandidat Nummer eins, doch was in der SAP-Arena passierte, war mehr als Favoritenpflicht. Es war die Art von Spiel, nach der in Indianapolis Plakate hängen. Kharchenkov, erst im ersten College-Jahr, spielte sich in die Köpfe der Scout-Chefs, die sonst nur Purdue und North Carolina auf ihren Zetteln haben. Er traf Dreier, legte den Break-away-Pass für einen Ally-oop, verteidigte gegen den schnellsten Arkansas-Guard – und lachte danach wie ein Junge, der gerade merkt, dass die große Bühne sein Zuhause werden könnte.
Nächster Gegner: Purdue. Die Boilermakers haben sich mit 79:77 gegen Texas durchgebissen, ein Krimi, bei dem Declan Duru, deutscher U19-Vizeweltmeister, keinen einzigen Sekunden auf dem Parkett stand. Für ihn ist das Turnier vorbei, für Kharchenko erst richtig los.

14 Deutsche starteten, einer trägt jetzt die fahne
Die March Madness frisst ihre Kinder gnadenlos. Von 64 Teams sind noch acht übrig, von 14 deutschen Akteuren nur noch einer, der den Ball berühren darf. Die Zahl lautet eins – und sie wird in Indianapolis lauter werden, weit über die Grenzen des College-Basketballs hinaus. Millionen gucken, die Hallen kochen, und irgendwo zwischen den Linien steht ein 1,96-Meter-Mann aus München, der vor zwei Jahren noch für Bayern II spielte und jetzt den größten Amateursport der Welt anführt.
Das Final Four steigt vom 4. bis 6. April in Indianapolis. Drei Spiele bis zur Krone, drei Spiele bis zur Unsterblichkeit. Kharchenkov hat den Weg von der Bundesliga-Nachwuchsbande bis in die Nähe des Basketball-Olymp geschafft. Wer jetzt noch glaubt, dass College-Basketball nur ein Sprungbrett ist, hat das Spiel in San José nicht gesehen. Es ist ein Krieg mit Cheerleadern. Und dieser Deutsche kämpft mittendrin, statt nur dabei zu sein.
