Italiens politik trauert: ex-minister cirino pomicino mit 86 gestorben
Roms Quisisana-Klinik konnte ihn nicht mehr halten: Paolo Cirino Pomicino, der in den Achtzigern als „Minister“ und „Vizekönig“ durch die italienische Politik donnerte, ist tot. Er wurde 86 Jahre alt.
Der ehemalige Haushalts- und Beamtenminister galt als treibende Kraft der christdemokratischen Fraktion „Primavera“ um Giulio Andreotti. 1976 zog er erstmals als Abgeordneter in den Montecitorio ein, 16 Jahre lang bestimmte er die Finanzpolitik Italiens mit. Nach der „Mani pulite“-Welle musste er sich vor Gericht verantworten, ging mit einem Schuldbekenntnis in der Enimont-Affäre aus dem Verfahren – und kehrte doch zurück: 2004 ins Europaparlament, 2006 erneut ins italienische Parlament. Ein Herztransplantat zwang ihn 2007 endgültig in den Ruhestand.
Neapel, rom, straßburg – stationen eines querdenkers
Geboren 1939 in Neapel, promovierte Pomicino zunächst zum Arzt, bevor er die weiße Kittel gegen Anzug und Krawatte tauschte. Als Stadtrat seiner Heimatstadt lernte er, wie man sich in schwierigen Bündnissen behauptet – eine Erfahrung, die ihm später half, wenn im Kabinett der Streit um Lira, Defizit und Euro-Kurs eskalierte. Seine Amtszeit als Budgetminister (1989-1992) fiel mit Italiens wildesten Euro-Vorbereitungen zusammen: Er musste die Lire an die Währungsschlange binden und dabei die sozialistischen Koalitionspartner bei Laune halten. Kollegen erinnern sich an seine Lieblingsphrase: „Zahlen lügen nie, aber Politiker schon.“
Die Fernseh-Talkrunden der letzten Jahre nutzte er, um jüngeren Parteifreunden die Kunst des Kompromisses beizubringen. Zuletzt war er Gast in einer RAI-Sendung, die über die neue EU-Stabilitätsregeln debattierte – mit erhobenem Zeigefinger und dem Charme eines Mannes, der schon alles gesehen hatte.

Der letzte herzschlag im ewigen rom
„Diesmal hat Paolo es nicht geschafft“, sagte Gianfranco Rotondi, der die Nachricht der Witwe überbrachte. In den Gängen der Quisisana-Klinik hörte man noch bis zum Schluss seine Stimme: Pomicino hatte die Krankenschwestern mit Anekdoten aus der First Republic unterhalten, bis die Maschinen seinen Puls übernahmen. Hinterlässt hat er ein politisches Erbe, das so italienisch ist wie Espresso am Stehtisch: zwischen Skandal und Staatsräson, zwischen Operette und Opus Magnum.
Die Christdemokraten, die es heute nicht mehr gibt, bestatteten ihn mit den Worten: „Er war einer der letzten, die noch wussten, wie man ein Land aus dem Gleichgewicht führt, ohne es zu Fall zu bringen.“ Die Trauerfeier findet am Freitag in der Kirche Santa Maria in Montesanto statt – dem sogenannten Tempio degli artisti, wo auch sein Bruder Bruno, Schauspieler und Enfant terrible des neapolitanischen Theaters, 1981 das letzte Mal Applaus erhielt.
